30 Tage Iran
Einen Monat haben wir im Iran verbracht – ein Land zwischen Tradition und Moderne. Religiöse Sitten werden zwar seit der Islamischen Revolution 1979 wieder besonders betont, stehen aber in einem Spannungsverhältnis zu der sich modernisierenden Bevölkerung. Uns offenbarte sich ein ganz anderer Blickwinkel wie jener, der bei uns durch die Medien geistert. Das in unseren Breitengraden verbreitete Bild von einem abgeschotteten, radikal-islamistischen Iran und eine allem “Westlichen” gegenüber feindlich gesonnene Gesellschaft, bestätigt sich in keiner Weise. Wir wurden mit offenen Armen empfangen, fühlten uns stets wohl und sicher und genossen unsere Reise durch den Iran vollumfänglich.
Der abwechslungsreiche Iran ist riesig, die West-Ost-Ausdehnung beträgt fast 3000 Kilometer, das Land ist über viermal so gross wie Deutschland. Der mehrheitlich trockene und wüstenhafte Staat kann mit Steppe, Bergen, Wäldern, Meer, Inseln und zahlreichen alten Kulturschätzen aufwarten. Unsere historischen Lieblingsbauten sind die Freitagsmoschee in Yazd und das Mausoleum Khajeh Rabi in Mashhad – in unseren Augen zwei persische Schmuckstücke in harmonischen Farbtönen. Gut, anzumerken ist, dass beide Bauwerke momentan nicht eingerüstet unter Renovation stehen, wie es bei anderen Sehenswürdigkeiten leider oft der Fall war…
Menschen
Die Iraner sind fast durchwegs hilfsbereite, liebevolle Menschen. Wohl noch nirgendwo auf dieser Welt haben wir so viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft erfahren wie hier. Viele Leute sind offen und aufgeschlossen, verwickeln einem schnell in eine herzliche Plauderei… Über die Hälfte der iranischen Bevölkerung ist angeblich unter 25 Jahren alt, viele von ihnen lernen Englisch in der Schule, wobei die meisten nur wenige Redewendungen beherrschen. Doch einige sprechen ein hervorragendes Englisch und daraus ergeben sich spannende Gespräche, die sich anfangs oft ähneln. Wir wurden mit neugierigen Fragen bombardiert wie: “Woher kommt ihr? – Warum gerade Iran? – Seid ihr ein Paar? – Seid ihr verheiratet? – Habt ihr Kinder? – Welche Orte habt ihr besucht? – Magst du das Kopftuch? Und fast allen brannte schlussendlich auf der Zunge: “What do you think about Iran?” Und wenn wir ehrlich preisgaben, wie positiv und warmherzig wir ihr Land erleben, stand ihnen ein noch grösseres Strahlen im Gesicht wie zuvor. Die Menschen hier sind überwältigend…
Kleiderordnung
Im Iran regiert vor der Haustüre eine strenge islamische Kleiderordnung, die vorwiegend die Frauenwelt betrifft. Der Staat schreibt vor, sich lang und weit zu kleiden, d.h. Beine und Arme zu bedecken, weite knielange Blusen oder Mäntel zu tragen sowie das Verhüllen der Haare mit einem Kopftuch. Diese Vorschrift gilt auch für alle weiblichen Touristen. Nicht überall wird der obligatorische Kleiderzwang gleich strikt ausgelegt – in gewissen Städten rutscht der Kopfschleier weit nach hinten oder sitzt der Mantel eng um die Hüfte. Aber die weibliche Bevölkerung läuft stets Gefahr, von der Sittenpolizei verwarnt oder verhaftet zu werden… Für Männer ist lediglich das Tragen von kurzen Hosen verboten. Gerade jüngere Kerle sind oft modern angezogen, tragen hautenge Jeans und unterscheiden sich kaum von unserer Männerwelt. Ein krasser Gegensatz zu den in einen konservativen Chador – einen sogenannten Ganzkörperschleier – verhüllten Frauen.
Für mich war es sehr gewöhnungsbedürftig, in der Öffentlichkeit (sobald man den Fuss vor die Hotelzimmertüre setzt) ein Kopftuch zu tragen, welches einerseits unnötig wärmt und auch stets verrutscht. Dazu kommt ein langes Gewand, das mich meist schmoren liess… Die Meinung zum Kopfschleier ist bei den iranischen Damen offensichtlich geteilt – die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Ich verstehe jede Frau, die sich damit eingeengt fühlt und wünsche mir für jene Iranerinnen, dass sie in nächster Zukunft die Wahl haben.
Unterkünfte
Übernachtet haben wir in einfachen Hotels im unteren Preissegment, wo uns die Nacht im Doppelzimmer mit Frühstück durchschnittlich 40 US-Dollar kostete. Der Zimmerpreis ist oft in US-Dollar angegeben – bezahlt werden kann in der Regel entweder mit Dollar oder iranischen Rials. In einigen Städten gibt es traditionelle Hotels mit luftigen Innenhöfen und schmucken Zimmern, ansonsten bieten die Unterkünfte meist keinen Charme. Bezüglich Sauberkeit darf man, zumindest in dieser Preisklasse, nicht viel erwarten… Zwischen 1 bis 6 Nächten haben wir in 8 verschiedenen Orten geschlafen, was durchschnittlich 3.5 Nächte pro Ort ergibt.
Öffentliche Verkehrsmittel
Die Strassen sind vorzüglich, das Schienennetz gut ausgebaut und lässt einem meist zügig vorankommen. Das Reisen mit den öV gestaltete sich äusserst angenehm, ist günstig und beeindruckend pünktlich. Im Gegensatz zu Stadtbussen, wo eine strikte Geschlechtertrennung herrscht (Männer vorne, Frauen hinten), ist es in den Überlandbussen für mich und Roland zum Glück möglich, nebeneinander zu sitzen… Insgesamt waren wir 35 Stunden auf Achse – davon 19 Stunden im Zug und 16 Stunden in einem Bus.
Verpflegung
Das Frühstück ist in den Hotels stets inbegriffen, hält sich aber oft eintönig – Fladenbrot (vielfach zäh), Frischkäse, gekochte Eier und Tee, manchmal zusätzlich Butter und Marmelade, Tomaten und Gurken oder Joghurt… Für die weiteren Mahlzeiten war es nicht überall einfach, geeignete Restaurants zu finden – je nach Ort und Zeit sind sie überfüllt, versteckt, hässlich oder geschlossen. Das Abendessen nehmen die Iraner sehr spät, oft erst nach neun Uhr zu sich, dementsprechend auch die Öffnungszeiten gewisser Lokale. Unser Favorit bezüglich Essen ist ganz klar die Altstadt von Yazd, wo auf offenen Dachterrassen gemütlich geschlemmt werden kann… Ein typisch persisches Essen beinhaltet einen riesigen Berg an Reis, verschiedene Fleischspiesse, genannt Kebab, Fladenbrot sowie manchmal Gemüseragouts oder regionale Spezialitäten. Manchmal wird traditionell auf dem Teppich am Boden oder auf Sitzgestellen gegessen – an die für uns ungewohnte Sitzstellung haben wir uns mit der Zeit etwas gewöhnt… Alkohol ist im Iran tabu und offiziell verboten, somit in der Öffentlichkeit auch nirgends zu erhalten. Hier fliesst Tee in Strömen…
Geld
Geld ist im Iran ein Thema für sich… Es gibt zwar Bankomaten, aber mit ausländischen Karten kann kein Geld bezogen werden. Auch unsere Kreditkarten sind hier wertlos und Reisechecks können nicht umgetauscht werden. Somit mussten wir das gesamte Geld in bar mitbringen. Wieviel wir benötigen würden, hatten wir natürlich keine Ahnung und für ein Notfall muss auch gesorgt sein. Am besten packt man US-Dollar ein, denn damit können die Hotels oft bezahlt werden. Für das Geldwechseln gibt es Wechselstuben – 30 Dollar in Iranian Rial getauscht, und schon ist man Millionär!
Aufgefallen
Noch in keinem Land sind uns so viele öffentliche Toiletten aufgefallen. Vielleicht auch nur deshalb, weil oft ein unübersehbarer Wegweiser dorthin führt. Die persischen Schriftzüge sind klar und deutlich mit WC übersetzt, somit ist der Weg zum stillen Örtchen auch für uns unverkennbar. Erstaunlicherweise ist immer Seife vorhanden, Klopapier hingegen nur ganz selten – die Benutzung ist meist kostenlos…
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