Abu Dhabi – schillernde Wolkenkratzer
Der Tag ist schon lange angebrochen, als wir um halb sieben durch Dubais Strassen zum Busbahnhof eilen, doch die Stadt schlummert noch. Es ist angenehm ruhig, frühmorgens ist der Verkehr am geringsten. Alle zehn Minuten fährt ein komfortabler Intercity-Bus nach Abu Dhabi. Wir müssen weder die Abfahrt herbeisehnen, noch um einen Sitzplatz kämpfen, dafür unsere Faserpelzjacken überziehen, damit die Kühlschranktemperaturen auszuhalten sind. Im Bus ist es mucksmäuschenstill, die meisten Passagiere dösen vor sich hin.
Wir brausen über die sechsspurige Autobahn – die Metropole zieht an uns vorbei. Ansammlungen moderner hoher Wolkenkratzer wechseln sich mit Siedlungen niedriger Häuser ab. Grosszügige Grünflächen und farbenfrohe Blumenbeete zieren die Strassen – verrückt, denn alles muss künstlich bewässert werden. Fast das gesamte Wasser wird hierzu aus dem Meer gepumpt und entsalzt. Erst wenn man die Stadt hinter sich lässt, wird einem wieder klar, dass man sich eigentlich in der Wüste befindet – eine trockene Sandlandschaft breitet sich aus. Nun prägen vorwiegend Bagger und Krane das Bild, Dubai scheint noch nicht ausgewachsen, obwohl die langgezogene Stadt schon über 60 Kilometer misst. Baustellen sind aber auch in der gesamten Stadt allgegenwärtig.
Abu Dhabi, die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, liegt im Südwesten, rund 160 Kilometer entfernt. Innerhalb von nur 50 Jahren hat Erdöl das einstige Fischerdorf in die vermutlich wohlhabendste Stadt der Welt verwandelt. Abgesehen von 10 Billionen Dollar Anlegevermögen ruhen angeblich 773 Milliarden Dollar auf Bankkonten – das Emirat kann sich einiges leisten, aber wie lange noch? Beim jetzigen Stand der Förderung sollte das Ölvorkommen noch für ein ganzes Jahrhundert reichen.
Zwei Stunden später kommen wir am Busbahnhof an, wo wir ein Taxi besteigen. Auch um neun verläuft der arabische Tag noch entspannt, die meisten Geschäfte öffnen erst um zehn. Zu spät realisieren wir, dass der Taxifahrer uns ans entgegengesetzte Ende der Stadt chauffiert, obwohl er uns zu verstehen gab, zumindest die Richtung unseres Ziels zu kennen. Die Stadtrundfahrt haben wir eigentlich mit dem roten Sightseeing-Bus geplant, und nicht mit dem Taxi! Wir vertrödeln wertvolle Zeit von “Abu Dhabi in einem Tag” und das Taxameter präsentiert uns schlussendlich den dreifachen Preis. Endlich im doppelstöckigen Bus, steuern wir DER Sehenswürdigkeit Abu Dhabis entgegen…
Schon von weitem sehen wir die schneeweisse Sheikh Zayed Moschee majestätisch aufragen. Sie sei eine der grössten Moscheen weltweit und fasse 40’000 Gläubige. Auch das Innere darf von Nicht-Muslimen besichtigt werden, was selten der Fall ist. Einzige Bedingung – lange Kleidung und ich als Frau, muss meine Haare mit einem Kopftuch verhüllen. Aus der Ferne wirkt die Moschee edel und zauberhaft, doch beim Näherkommen verschwindet der märchenhafte Reiz schnell. Das glänzende Gold der zahlreichen Marmorsäulen wirkt nun matt, mutet wie billiger Kunststoff an.
Die riesige Gebetshalle ist üppig mit verschiedensten blumigen Mustern und wuchtigen, kitschigen Kronleuchtern geschmückt. Hunderte von Touristen wandeln über den weichen, gemusterten Teppich, staunen und knipsen. Der eher modern gehaltene Bau ist zwar beeindruckend, aber unseren Geschmack trifft er nicht. Ich bin sogar richtig enttäuscht, habe vielleicht zu viele Bilder von früher besuchten, meines Erachtens viel reizvolleren Moscheen vor Augen.
Unsere Rundfahrt mit dem Bus nimmt seinen weiteren Lauf. Von verschiedenen Winkeln erhalten wir einen Einblick auf die Welt der Wolkenkratzer. Inmitten der geschäftigen Innenstadt überragt das World Trade Center die restlichen Wohn- und Geschäftstürme. Es gilt als Wahrzeichen der Stadt und ist das höchste Bauwerk Abu Dhabis – 382 Meter hoch, 92 Etagen. Dieser Wolkenkratzer wurde an jener Stelle errichtet, wo sich zu früheren Zeiten der alte Souk befand. Die neue Interpretation des traditionellen Marktes wirkt trotz Holz und Buntglas zu schick und steril. Das Bummeln macht nur halb soviel Spass…
Nach dem Füllen unserer knurrenden Magen hüpfen wir erneut ins offene Oberdeck des Busses, welcher nun Kurs auf die Corniche nimmt. Die acht Kilometer lange Fussgängerpromenade führt dem Meer entlang. Ein gemütliches Café oder Schattenspender jeglicher Art sucht man vergebens – das Leben der Araber spielt sich, der oft grossen Hitze wegen, wohl vorwiegend unter der Klimaanlage ab. Auf einer Dau, einem traditionellen Holzboot, schippern wir auf dem Persischen Golf, können die Grossstadt noch aus einer anderen Perspektive betrachten. Unzähligen Wolkenkratzer türmen sich in Reih und Glied vor uns auf, bilden eine sagenhafte Skyline.
Den letzten Anblick auf Abu Dhabi gönnen wir uns von den Ethiad Towers, eines Gebäudekomplexes mit fünf Türmen. Ein Lift bringt uns im Eilzugstempo auf 300 Meter Höhe, wo sich die Aussichtsplattform befindet. Rundum breitet sich die moderne schillernde Stadt unter uns aus, mit Blick auf die hoch aufragenden Riesen und das blaue Meer – ein glanzvoller Ausblick.
Wir düsen zurück, den funkelnden Lichtern von Dubai entgegen. Die Stadt ist zum Leben erwacht – in den Strassen von Bur Dubai pulsiert das Leben. Die Leute drängen sich auf den Gehsteigen, vollbeladen mit Einkaufstüten. Viele Läden schliessen erst um zehn Uhr nachts, einige Supermärkte haben rund um die Uhr geöffnet. Schlängelnd bahnen wir uns einen Weg durch das Gewusel…
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