Entspannte Inseltage auf Nosy Be
Eine kühlende Brise streichelt sanft meinen Körper, während ich vom Liegestuhl auf den Indischen Ozean hinausblicke. Kleine Wellen rollen in die palmengesäumte Bucht, das Wasser funkelt in der Vormittagssonne.
Palmwedel wispern im Wind, Vögel zwitschern. Meine Augenlider fühlen sich bleischwer an, immer wieder nicke ich ein. Neben mir schlummert Roland – auch bei ihm macht sich der Schlafmangel bemerkbar. Unsere letzte Nacht in der madagassischen Hauptstadt Tana war zu kurz; der Wecker holte uns bereits um zwei Uhr erbarmungslos aus dem Reich der Träume.
Als wir um viertel vor fünf in der Früh in den Flieger von Madagaskar Airlines steigen, ist es noch dunkel. Im Morgengrauen hebt die kleine Maschine flott vom Rollfeld ab und kurz nachdem die afrikanische Sonne am Horizont aufgetaucht ist, schweben wir über Wolken Richtung Norden. Ursprünglich war der Abflug für vier Uhr nachmittags angesagt, wurde allerdings vor wenigen Tagen auf fünf Uhr morgens verschoben. Diese massive Flugverschiebung beschert uns einen zusätzlichen Strandtag auf Nosy Be, und nach erstem Entsetzen sind wir gar froh darüber. „Kurzfristige Flugplanänderungen sind bei Madagaskar Airlines an der Tagesordnung“, klagte unser Guide Patrick damals, als auch der Inlandflug auf der Rundreise verschoben wurde. „Die Flotte der Fluggesellschaft ist in den letzten Jahren von fünf auf zwei Maschinen geschrumpft und damit werden heute sämtliche nationale Flüge abgewickelt.“ Umso erstaunlicher, da das Land eine beträchtliche Grösse und viele Inlandflughäfen hat.
Im tropischen Inselparadies gelandet…
Pünktlich um sieben Uhr landen wir auf Nosy Be. Unsere Siebensachen vom Rollband geschnappt, bringt uns ein Fahrer in den abgeschiedenen Inselnorden. Der Blick aus dem Autofenster geht ins Grüne: Bananenbäume, Mangobäume, Kokospalmen und grossflächige Plantagen, wo die Pflanze Ylang Ylang prächtig gedeiht. Aus den weissen Blüten des knorrigen Baumes wird ein Duftstoff für teure Parfums gewonnen, deshalb wird Nosy Be auch Parfuminsel genannt. In der Sangany Lodge empfängt uns Madame Yvonne voller Herzlichkeit. Die madagassische Besitzerin serviert uns einen frischen Mangosaft als Willkommensdrink. Daraufhin folgt ein erstes Frühstück im Palmenschatten am Strand, das uns trotz Müdigkeit ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht zaubert und die hungrigen Bäuche besänftigt. Nach der dreiwöchigen Gruppenreise durch Madagaskar mit dichtem Programm, freuen wir uns auf erholsame Strandtage zu zweit…


Nosy Be ist die grösste der Madagaskar vorgelagerten Inseln und ihr Name bedeutet übersetzt schlicht und einfach: grosse Insel. Das tropische Eiland vor der Nordwestküste ist in etwa so gross wie der Kanton Schaffhausen und schon seit einigen Jahrzehnten ein beliebtes Badeferienziel. Unsere kleine Lodge liegt beim Dorf Amporaha im Nordwestzipfel am Ende einer halbmondförmig geschwungenen Bucht. In dieser Ecke gibt es im Gegensatz zum Inselsüden kaum touristische Infrastruktur und nur vereinzelte Hotels. Allerdings ist es zurzeit sowieso verhältnismässig ruhig auf der Insel. Es ist Dezember. Nebensaison. Die tropische Regenzeit hat eben angefangen. „Die durstige Pflanzenwelt ist dankbar“, meint die aufgeschlossene Gastgeberin, „doch richtig stark regnet es in der Regel erst ab Mitte Januar.“





Acht Bungalows verteilen sich auf dem Grundstück am Strand, alle mit Blick auf den gepflegten Garten und das Meer. Unzählige Liegestühle, Sessel, Sofas und Hängematten laden zum Verweilen ein. Jedes Häuschen ist individuell gestaltet und trägt einen Namen. Wir haben das Bungalow Safran gebucht, dessen Farbtupfer ein grosses Sofa in Safrangelb ist. Unglaublich stilvoll und gemütlich eingerichtet, mit viel dunklem Tropenholz ausgestattet, einem breiten Bett und einer freistehenden Badewanne im offenen Bad. Das Zimmer ist verschwenderisch mit bunten Blüten dekoriert. Ein Glücksgefühl durchströmt meinen Körper, und auch Roland ist zufrieden mit seinem Reisebüro – sprich mit mir. Abends überrascht uns ein Blütenbad und romantisches Kerzenlicht. Während ein heftiger Tropenregen aufs Dach prasselt und der Wind an den Palmwedeln zerrt, steigen wir in die himmlisch duftende Wanne.



Walhaie – die sanftmütigen Riesen
Auf der Rückbank unseres motorisierten Dreiradtaxis schüttelt es – je nach Strassenzustand einmal mehr und einmal weniger. Mit einem gelben Tuk-Tuk sind wir auf dem Weg zum Chanty Beach an der mittleren Ostküste, wo uns ein Boot für eine Schnorcheltour abholt. Für die Strecke von zwanzig Kilometern sind wir eine geschlagene Stunde auf Achse. Es sind schon einige Leute an Bord, als wir kurz vor neun Uhr zusteigen. Rasant stechen wir hinaus in den Indischen Ozean, der sich wie ein leicht gewellter Teppich vor uns ausbreitet. Ob heute wohl ein guter Tag ist? Die Walhaisaison schon fast vorbei, wurden in den letzten Tagen die gigantischen Fische manchmal noch gesichtet. Wir sind gespannt, hatte Roland noch nie das Glück auf eine Begegnung, und bei mir ist der Walhai-Flirt inzwischen über zwanzig Jahre her.

„Versammelt sich ein Schwarm von Seevögeln auffällig über der Wasseroberfläche, kann das ein Anzeichen für Walhaie sein“, erläutert Cassandra, die Meeresbiologin, die seit einem halben Jahr an einem Schutzprojekt in Madagaskar arbeitet. Tatsächlich haben uns die aufgebrachten Vögel nicht in die Irre geleitet, und es taucht plötzlich eine Schwanzflosse auf. Die Schwimmrichtung des Walhais wird eingeschätzt, unsere Vorfreude steigt. Und dann ist es soweit: Flossen anziehen, Maske aufsetzen, Schnorchel in den Mund und möglichst ruhig und geschmeidig ins Meer gleiten, um den Walhai nicht gleich zu vertreiben.
Wow! Was für ein Riese. Angeblich noch ein Jungtier und keine zehn Meter lang, allerdings mächtig. Graziös gleitet der weiss gepunktete Koloss scheinbar gemächlich durch das planktonreiche Wasser, doch er ist schnell; wir geben Vollgas und können kaum mithalten. Ein Walhai ist nicht etwa eine Mischung aus Wal und Hai, sondern ein Hai von der Grösse eines Wals. Zudem sind Walhaie die grössten Fische der Welt, und ihre Haut ist über zehn Zentimeter dick. Wissenschaftler schätzen, dass die Tiere bis zu 20 Meter lang und 30 Tonnen schwer sowie über 100 Jahre alt werden können. Schon bald lassen meine Kräfte nach, der Flossenschlag wird träger und die Distanz zum Walhai stetig grösser, bis er irgendwann ganz im trüben weiten Blau verschwindet. Ausser Puste schwingen wir uns mit einem letzten kräftigen Flossenschlag und einem seligen Lachen im Gesicht auf das Boot zurück. Dass wir so rasch auf Beute stossen, haben wir uns nicht ausgemalt. Was für ein tierisches Glück – ein richtiges „Hailight“.
Den ganzen Vormittag widmen wir der Suche der Walhaie. Inzwischen ist der heitere Sonnenschein verschwunden. Eine düstere Wolkenwand kommt auf uns zu und entlädt schliesslich ihre wertvolle Fracht. Was solls, nass sind wir ohnehin schon, allerdings weht der Fahrtwind nun etwas kühler. Als wir schon nicht mehr daran glauben und der Küste von Nosy Be wieder nähergekommen sind, überrascht uns nochmals ein Walhai. Was für ein Spektakel, noch eindrücklicher als zuvor. Da sich der Riesenfisch immer wieder nach rechts oder links abwendet, können wir ihn auch bestens von der Seite oder gar von vorne bewundern. Sein grosses Maul misst etwa eineinhalb Meter und erstreckt sich über die gesamte Breite seines Kopfes. Trotz Riesenmaul sind Walhaie sanftmütig und für Menschen ungefährlich, sie schlucken damit lediglich Unmengen von Wasser, in dem ihre Beute schwimmt. Die Kiemen filtern hauptsächlich Plankton sowie Algen und Kleinstlebewesen – bis zu 200 Kilogramm täglich.

Mittags steuern wir Nosy Sakatia an, eine der kleinen Inseln vor Nosy Be. Vor dem Mittagessen am Strand ist erst noch Schwimmen mit Schildkröten angesagt, von denen es nur so wimmeln soll. Schnorchelnd gucken wir in eine trübe Suppe, die sich geheimnisvoll unter uns ausbreitet – ohne jegliche Anzeichen auf Unterwasserleben. Als wir endlich betrübt eine Schildkröte entdecken, hatte ich die Hoffnung schon beinahe aufgegeben. Sie liegt auf dem Grund und knabbert Seegras, ihr gemusterter Panzer ist riesig. Zur Belohnung paddelt daraufhin auch noch ein zweites Exemplar anmutig durchs Wasser. Vielleicht wimmelt es hier tatsächlich von Riesenschildkröten, die uns wegen der miserablen Sicht aber verborgen bleiben…
Genüssliches Strandleben
Nach diesem erfolgreichen und anstrengenden Tag schlafen wir in den nächsten Morgen hinein und gehen es gemütlich an. Am Frühstückstisch am Strand grabe ich meine Zehen in den Sand und gucke verträumt auf das weite Ozeanblau. Der Tisch ist reichlich gedeckt, der mit einer blutroten Hibiskusblüte dekorierte Fruchtteller ein zuckersüsser Gaumenschmaus: reife Ananas, Mangos, Papayas, Litschis, Passionsfrüchte und Babybananen. Wir können uns nicht erinnern, dass auf einer unserer Reisen die Tropenfrüchte und frisch gepressten Fruchtsäfte je schmackhafter waren und wir annähernd solche Mengen verdrückt haben.


Der Ruhetag tut gut. Wir pendeln zwischen Schattenliege auf dem Stelzendeck und Liegesessel im Sand hin und her. Die ganze Lodge haben wir für uns allein, wir sind momentan die einzigen Gäste. Zwischendurch hüpfen wir ins seichte Meer, was zwar keine Abkühlung ist, sondern eher wie ein lauwarmes Bad in einer gigantischen Badewanne anmutet. Es ist ruhig hier, ausser dass gelegentlich etwas Baulärm von nebenan die Idylle trübt. Am naturbelassenen Sandstrand schwemmt die Flut täglich Seegras an, aber glücklicherweise kaum Abfall, was heutzutage keine Selbstverständlichkeit ist.



Als die Sonne schon tief am Himmel steht und das Meer im frühen Abendlicht golden schimmert, schlendern wir genüsslich dem Strand entlang. Warmes Wasser umschmeichelt unsere Füsse, im plätschernden Nass wippen Einbäume, die hölzernen Auslegerboote der Fischer. Aus den strohgedeckten Bambushütten des Dorfes kommen zwei Mädchen auf uns zugerannt. Ihre schwarzen krausen Haare sind hübsch gebändigt, dicht am Kopf zu Dutzenden Zöpfen geflochten, wie man es in Madagaskar häufig sieht. Die beiden tänzeln lachend ums herum und strecken die Hände bettelnd nach Süssigkeiten aus. Ihre dunklen Augen glänzen. Neben Malagassi sprechen die beiden zwar ein paar Sprachfetzen Englisch, Französisch und Italienisch, aber für eine richtige Konversation reicht es nicht aus. Ansonsten ist am Strand wenig los: ein paar Fischermänner, ein Rudel Hunde.

Schon wieder verschwindet ein Tag in der Dunkelheit. Es ist unglaublich friedsam hier. Insekten zirpen, das Meer rauscht. Auch in der Nacht kühlt die Luft kaum ab, und langärmelige Kleider sind überflüssig. Nachts rotiert der Ventilator unermüdlich an der Decke und durchpflügt die schwüle Luft, während ich mich im Bett schwitzend hin- und herwälze. Als die Vögel munter ihr Morgenkonzert pfeifen, öffne ich die grossen Glastüren unseres Bungalows, trete in das Grün des Gartens hinaus und atme die etwas kühlere salzige Meeresluft ein. Allerdings zeigt das Thermometer bereits kurz nach fünf Uhr über 26 Grad an. Der Sand von einem nächtlichen Regenguss nass, tropft es auch noch von den Bäumen. Die Brandung ist sanft, kleine Wellen schwappen träge an den Strand. Ein neuer Tag im Tropenparadies soeben angebrochen, verkrieche ich mich nochmals unter das luftige Moskitonetz zu Roland, und wir geniessen vom breiten Bett aus Meersicht.

Abgetaucht – in den Korallengärten
Eines Tages fehlen unverhofft die Farben und der Glanz. Grau die Wolkendecke, grau das weite Meer. Die Sonne bleibt uns heute verborgen. Wetterpech, zumindest für den gebuchten Tauchausflug. Ohne Sonnenschein präsentieren sich leider auch die buntesten Unterwasserwelten ziemlich trist und farblos. Auf knapp zwanzig Metern Tiefe paddeln wir durch den ausgedehnten Korallengarten mit haufenweise Tischkorallen und anderen hübschen Gewächsen. Auch Fische bevölkern das Riff, nur sieht man diese wegen des trüben Wassers schlecht, sofern sie nicht gleich vor der Tauchermaske durchsegeln. Auch grosse Schwärme ziehen ihre Kreise, aber meistens sind die Fische nur schemenhaft zu erkennen.


Als wir uns nach einer Pause auf dem schwankenden Motorboot das zweite Mal in die Wellen stürzen und blubbernd absinken lassen, ist die Sicht etwas besser, ebenso unsere Laune. Der Tauchcomputer zeigt 30 Grad an. Somit ist das Wasser etwa gleich warm wie die Luft tagsüber, und wir frieren nicht einmal am Ende des einstündigen Tauchgangs. Roland spottet eine Schildkröte in der Ferne, bevor sie als Silhouette allmählich im Grau verschwindet. Der einheimische Tauchguide ist aus dem Häuschen, als er uns einen Feuerfisch zeigen kann – sorry, für uns kein Highlight. Als er hingegen auf einen perfekt getarnten Rochen deutet, der reglos auf dem sandigen Grund verharrt, sind wir tief beeindruckt. Hin und wieder flattern knallgelbe Falterfische umher – nette Farbflecken, ein Augenschmaus. Zweimal bei Nosy Fanihy abgetaucht, steuert uns der Kapitän wieder an Land zurück. Dieses Inselchen ist „unserem“ Strand vorgelagert, und somit sind wir nach einer zehnminütigen Fahrt bereits wieder daheim. Schon morgens wurden wir hier abgeholt – was für ein Service, quasi von Tür zu Tür.
Auf Pirsch – im Lokobe Nationalpark
Unser Fahrer kurvt sein Tuk-Tuk im Slalom um die riesigen braunen Pfützen, so manche beinahe so breit wie die Schotterpiste selbst. Ein nächtliches Gewitter hat Nosy Be heftige Regengüsse beschert. Seit wir hier auf der Insel sind, regnet es beinahe täglich, meistens abends oder nachts, und die Pflanzenwelt grünt und blüht. Nach einer Stunde Taxifahrt kommen wir in Ambatozavazy an. Das Dorf ist der Ausgangspunkt für einen Besuch im Lokobe Nationalpark. Unsere Gastgeberin hat uns angemeldet, der Touristenführer erwartet uns schon. Es führt keine Strasse in das Naturschutzgebiet, wir klettern in ein traditionelles Fischerkanu, und in Küstennähe geht es über das Meer weiter. Wir freuen uns auf den zweistündigen Dschungelwalk und hoffen, noch einmal Lemuren zu begegnen.
Eine Dreiviertelstunde später kommen wir in einem winzigen Strandorf an, wo uns zusätzlich ein Nationalparkführer in den Regenwald begleitet. Sogar er spricht etwas Englisch, aber besser als sein Wortschatz sind seine Fähigkeiten, die unscheinbaren oder gut getarnten Dschungelbewohner aufzuspüren. Anfangs kommt es mir fast so vor, als wären wir in einem Zoo, denn es geht Schlag auf Schlag: verschiedene Chamäleons, von winzig bis gross, süsse Lemuren und eine um einen Ast geschlungene Boa, eine Würgeschlange. Doch dann beobachte ich, wie der heimische Führer sucht – und eben auch findet. „Du hast Chamäleon-Augen“, lobe ich den dürren Mann kopfschüttelnd, und er grinst verschmitzt über das ganze Gesicht.



Daraufhin entdeckt er in einer Baumhöhle einen Wieselmaki, einen kleinen Lemuren mit grossen Ohren und Kulleraugen. Normalerweise schläft diese Lemurenart tagsüber und macht sich nachts auf Nahrungssuche, dieser aber ist hellwach. Ein paar Meter weiter deutet er schmunzelnd auf einen weisslichen dünnen Baumstamm. Was soll da sein? Es ist ein grosser Gecko, der reglos kopfüber am Baumstamm klebt. Wir können den Tarnkünstler erst auf den zweiten Blick ausmachen – die Echse scheint mit der Baumrinde zu verschmelzen. Plattschwanzgeckos sind berühmt für ihre perfekte Anpassung an Rinden und Flechten und kaum zu erkennen, obschon ihre Länge bis zu 30 Zentimeter beträgt.








Schmale Wege durchziehen kreuz und quer und unüberschaubar den dichten Regenwald, was wie ein grünes Labyrinth anmutet. Auch die exotische Pflanzenwelt ist artenreich, sogar Vanille gedeiht im Wald. Bergauf und bergab wieseln wir den Madagassen hinterher. Der Schweiss perlt aus jeder Pore, und rasch baden wir im eigenen Saft. Ein Klima wie in einer Sauna – allerdings fehlt die anschliessende Abkühlung. In langer Hose und geschlossenen Schuhen ist das Schwitzen auch kein Wunder, aber immerhin lassen uns die surrenden Mücken in Ruhe und stechen in die nackten Beine und Füsse unserer beiden Führer. Ein Rascheln im Geäst verrät eine Lemurenfamilie. Es sind Mohrenmakis. Diese Lemurenart kommt nur im nordwestlichen Madagaskar vor. Allerdings sind bloss die Männchen schwarz. Die Weibchen haben wenig mit dem Namen zu tun: Ihr Fell ist rotbraun, nur Gesicht und Hände sind schwarz. Behände schwingen sie sich von Baum zu Baum und verschwinden leider viel zu schnell aus unserem Blickfeld.





Der Abschied Madagaskars naht…
Und dann ist schon eine Woche um und der letzte Tag auf Nosy Be da. Der allerletzte Tag in Madagaskar. Entspannt geniessen wir das kleine Strandparadies noch einmal ganz bewusst, verweilen an unseren Lieblingsplätzen und spazieren frühabends am Strand, mitten in den Sonnenuntergang hinein. Zwei Fischer stehen knietief im Wasser und werfen ihre Netze aus. Wie beschaulich es ist, was für ein Frieden. Eine Handvoll planschende Kinder, keine anderen Touristen. Zurück in der Lodge lassen wir den entspannten Tag mit einem Drink mit Blick aufs Meer ausklingen.

Unsere Gedanken schweifen ab, dorthin, wo vor fünf Wochen unsere Reise durch Madagaskar ihren Lauf nahm. Gedanklich reisen wir im Eiltempo noch einmal durch das facettenreiche Land. Es war eine wunderbare Zeit, wir waren glücklich, auch wenn es gesundheitlich gesehen oft herausfordernd war, vor allem für Roland: ein schmerzendes Knie, ein verstauchter Fuss und ein geschwollener Ellenbogen. Nach der Gruppenreise haben uns die entspannten Inseltage in Zweisamkeit gutgetan, ebenso war es schön, wieder selber den Takt anzugeben. Meistens standen wir früh auf und gingen früh ins Bett, ganz im Rhythmus der Sonne. Diese hat sich für heute längst verabschiedet, und wir schlendern ins Restaurant, wo das bestellte Nachtessen vielleicht schon wartet.

Noch einmal schnabulieren wir Frisches aus dem Meer. Neben Fisch und einer Menge an Seafood gibt die Speisekarte nicht viel her, ausser Zebu-Rind und Pasta, was wir auch schon gekostet haben. Obschon wir die einzigen Gäste sind, sind wir in guter Gesellschaft: Geckos, vom Lampenlicht angezogen, sind auf Insektenjagd. An jeder Säule lauert jeweils eines der nützlichen, niedlichen Reptilien und wartet wie erstarrt auf Leckerbissen. Unzählige Weihnachtskugeln baumeln am Palmblätterdach und glänzen im schwachen Lichtschein. Es weihnachtet, auch in den Tropen. Unbeschwert und wie immer barfuss, geht auch der letzte Tag auf Nosy Be zu Ende, und im Mondschein umarmt uns feuchtwarme Luft. Viel zu rasch landen wir an einem kalten, grauen Dezembermorgen wehmütig wieder in der Heimat. Dort, wo die Temperaturen zurzeit 25 Grad kälter und die Tage fünf Stunden kürzer sind…






























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