Keine Rüsseltiere im Addo Elephant Nationalpark?
Unsere Reise führt von der Wild Coast wieder zurück ins Landesinnere auf die N2, die Hauptverkehrsachse. Wir steuern dem Addo Elephant Nationalpark nördlich von Port Elizabeth entgegen – unser Ziel liegt aber noch über 500 Kilometer in der Ferne. Das Wetter ist nach wie vor schlecht gelaunt. Dunkle Wolken hängen böse am Himmel, immer wieder regnet es oder die Sicht ist durch dichten Nebel stark eingeschränkt. Nach rund 400 Kilometer anstrengender Fahrt kommen wir in Grahamstown an und ernennen das Städtchen zu unserem heutigen Etappenziel. Am nächsten Morgen weint der Himmel noch immer. Das miese, feuchte Wetter lässt auch die Kleider und Schuhe kaum trocknen, die vor zwei Tagen bei unserer Wanderung an der wilden Küste völlig durchnässt wurden. Des Regens wegen entscheiden wir uns für ein kurzes Sightseeing mit dem Auto, anstelle zu Fuss. Die Strassenzüge von Grahamstown wirken gepflegt und insbesondere die Hauptstrasse ist gesäumt von viktorianischen Kolonialbauten.
„Wo bleiben nur die Elefanten?“, wundern wir uns. Es ist bereits Nachmittag und seit vielen Stunden sind wir im Addo Elephant Nationalpark auf Pirsch. Die Elefanten bilden grundsätzlich die grösste Attraktion des Parks, aber sie spielen mit uns wohl ein Versteckspiel. Die malerische Hügellandschaft ist zu einem grossen Teil von dichtem, dornigen Busch überzogen und macht es nicht leicht, die grauen Riesen oder andere Tiere zu erspähen. Das offene Grasland ist strahlend grün, oft wundervoll mit gelb blühenden Blumen übersät. Hier lassen sich vorwiegend
Zebras und Kuhantilopen beim Grasen sehen. Die Kuhantilope, das sogenannte Hartebeest, mit graubraunem Fell und eng beisammen stehenden Hörnern haben wir in den bisher besuchten Tierreservaten noch nicht angetroffen. Nahe an der Strasse grast eine Herde Zebras seelenruhig weiter und lässt sich von uns nicht stören. Gut so, denn wir lieben es, diese schwarzweiss gestreiften Tiere zu beobachten, vor allem auch die Jungtiere. Zwei süsse Kleine holen sich ihre Kalorien beim Saugen der Muttermilch.
Durch den Park führen vorwiegend unbefestigte Naturstrassen, die aber relativ angenehm zu fahren sind. Mit durchschnittlich 20 Stundenkilometern sind wir gemütlich auf Pirsch. Es wurden einige Rundwege und künstliche Wassertümpel angelegt. Die Tiere scheinen aber nicht nach Wasser zu lechzen, alle Wasserlöcher sind verwaist. Kein Wunder, in den letzten Tagen hat es wahrscheinlich auch hier reichlich geregnet. Und auch heute kann sich die Sonne leider nur selten gegen die dichte Wolkendecke durchsetzen.
Nebst den Elefanten lassen sich mit etwas Glück auch die restlichen Big Five – Löwe, Nashorn, Büffel und Leopard – sichten. Kein Glück benötigt man für Warzenschweine, diese gibt es zu Hauf. Eine fette Sau mit grossen Hauern lugt hinter einem Busch hervor, kommt neugierig näher und posiert geduldig für ein Portrait. Eigentlich ein hässlicher Geselle und trotzdem irgendwie liebenswürdig. Auch eine ganze Warzenschweinfamilie tummelt sich vergnügt am Strassenrand. Die beiden schweinischen Babys sind noch winzig, vielleicht erst wenige Tage oder Wochen alt.
Was hoppelt da vorne im Gras? Erdmännchen! „Sind das wirklich Erdmännchen?“, frage ich Roland ungläubig. Doch, eine riesige gesellige Truppe niedlicher Erdmännchen tummelt sich auf der Wiese. Immer wieder richtet sich eines der putzigen Tiere auf und beäugt neugierig die nähere Umgebung. Die Erdmännchen mit dem bräunlichen Fell und der spitzen Schnauze sind etwa 50 Zentimeter lang. Ihr langer, dünner Schwanz dient als Stütze, wenn sie „Männchen“ machen. Wie süss sie sind, eine wahre Freude. Viel zu schnell sind sie auf und davon…
Endlich lassen sich auch die grauen Rüsseltiere blicken. Die beiden Elefanten schenken uns kaum Beachtung, sie sind mit ihrer Lieblingsbeschäftigung Fressen beschäftigt. So bleibt uns viel Zeit, sie eingehend zu beobachten. Mit ihrem runzligen Rüssel verschlingen sie geschickt eine langstielige rosarote Blume nach der anderen. Ein erfreulicher Anblick! Nur wenige Kilometer weiter stossen wir auf eine ganze Herde der schwergewichtigen Vierbeiner. Jung und alt, alle trotten gemächlich in dieselbe Richtung, bevor sie in dichtem Gestrüpp verschwinden. Mit grosser Vorliebe verköstigen sie sich mit Blättern vom buschartigen Speckbaum, der zur Familie der Sukkulenten gehört und einen hohen Wasseranteil enthält.
Der Campingplatz ist gut besetzt. Wir haben Nachbarn rechts und links, die einsamen Zeiten sind vorbei. Wir können von Glück reden, ohne Vorreservation überhaupt noch einen Stellplatz ergattert zu haben. Am zweiten Abend lockert sich die hartnäckige Bewölkung endlich auf und räumt der Sonne Platz ein. Nach einer Woche ist es endlich wieder einmal genügend warm, um einen Abend draussen zu verbringen. Die meisten Campingplätze sind mit Grillstellen ausgestattet. Wir freuen uns auf ein Braai, so nennt sich das Grillieren in Afrikaans. Die Südafrikaner lieben es, ein grosses Stück Fleisch auf den Grill zu legen. In der Regel ist ein Braai ein gesellschaftliches Ereignis und begleitet von Unmengen von Bier. Roland kümmert sich liebevoll um das Feuer. Bei einem Gläschen Rotwein warten wir auf die perfekte Glut. Heute probieren wir eine Kudu Wors, eine einheimische Wildspezialität. Die lange Bratwurst aus Kudufleisch ist zu einer Schnecke aufgerollt. Schmeckt ganz lecker!
- Kudu-Weibchen
- Kudu-Männchen
Ein allerletztes Mal statten wir dem Wasserloch beim Restcamp einen Besuch ab, aber leider wieder erfolglos. Abends ist der kleine Tümpel beleuchtet, aber es kreuzt kein einziges Viech auf. Lediglich ein Brüllen schallt von Zeit zu Zeit durch die dunkle Nacht… Am nächsten Morgen verlassen wir das Elefantenreservat. Wie üblich wird am Gate die Quittung, das sogenannte Exit Permit, kontrolliert. „Thank you. No baby elephant inside your car?“ witzelt der aufgestellte Wächter und schielt in unser Campervan. Wir hätten wetten können, dass wieder so ein Spruch fällt…
Kommentare
Keine Rüsseltiere im Addo Elephant Nationalpark? — Keine Kommentare
HTML tags allowed in your comment: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>