Nkhata Bay – über und unter Wasser
Die Fähre legt spätnachmittags in Nkhata Bay an. Der Anlegesteg sei kürzlich eingestürzt, so ankern wir inmitten der Bucht. Kleine Boote holen die Passagiere und deren Fracht ab, schwanken vollbeladen langsam ans Ufer. Nach einer knappen Woche auf Insel und See haben wir wieder Festland unter den Füssen…
Das Guesthouse mit angeschlossener Tauchbasis erreichen wir in wenigen Schritten – wie praktisch. Wir haben Glück, es ist noch eines der vier Zimmer zu haben. Die Unterkunft thront etwas erhöht an einem Hang, die Lage ist fantastisch. Vom Balkon unseres Zimmers blicken wir auf die Bucht – nicht die Hafenbucht, sondern auf die nächste Bucht – und das tiefblaue Wasser des Malawisees. Der kleine Ort Nkhata Bay verteilt sich über mehrere Buchten mit steilen Klippen und kleinen Sandstränden, das Hinterland ist sehr hügelig. Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees liegt Tanzania, in der Ferne ist die Bergkette der Livingstone Mountains zu erkennen.
Auch von der grossen Veranda mit dem Restaurant geniesst man Seesicht und manchmal eine wohltuende Brise. Die beiden englischen Besitzer – Craig und seine Mama Debra – leben schon seit Jahrzehnten in Malawi und führen das Guesthouse ein einem familiären Rahmen. Stets ist zumindest einer der beiden präsent, auch beim Nachtessen am grossen Tisch mit allen Gästen. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl.
Neben uns sind noch drei weitere Taucher und Holly, die Tauchlehrerin, da. So kommt eine gesellige Runde zusammen, was wir schätzen, nachdem wir in gewissen Unterkünften die einzigen Touristen waren. Auch pflegen Craig und Debra einen sehr freundlichen Umgang mit ihren afrikanischen Angestellten, was sofort auffällt. Diese wiederum sind zu uns Gästen sehr höflich, stellen sich mit Namen vor und begrüssen uns jeweils überschwänglich mit einem Lächeln im Gesicht: “Good Morning. How are you?”
Wir freuen uns aufs Abtauchen! Nur wenige Bootsminuten entfernt liegen die Tauchplätze vor der Küste. Das Wasser ist eben und glasklar, ideal um sich in aller Ruhe auf dem kleinen Boot für den Tauchgang bereit zu machen. Die Küste ist felsig, genauso gestaltet sich auch die Unterwasserlandschaft. Mit Holly tauchen wir zu dritt in die Tiefen des Malawisees, welcher an gewissen Stellen über 700 Meter abfällt. Für uns ist aber nach 25 Metern die maximale Tiefe erreicht. Ein Tauchgang der etwas
anderen Art – kein Korallenriff, dafür Gesteinsformationen in allen Variationen. Spitze Felsen ragen steil bis zur Wasseroberfläche auf. Es wimmelt von kleinen farbigen Fischen – Ostafrikanische Buntbarsche. Es gibt Hunderte verschiedene Arten, die meisten sind endemisch. Viele dieser Buntbarsche sind beliebte Aquarienfische. Grossfische sind hier weniger anzutreffen. Ab und zu schwimmt elegant ein Kampango, eine Welsart, auf uns zu. Dies ist jener Fisch, der auch oft auf dem Teller landet und hervorragend mundet. Meistens scheint die
Sonne und uns präsentiert sich eine lichtdurchflutete Unterwasserwelt. Bei bewölktem Himmel hingegen mutet die Steinwelt dort unten ziemlich grau in grau an. “Die Sicht ist heute besonders gut”, freut sich sogar Tauchleherin Holly, die diese Tauchgründe wie ihre eigene Westentasche kennt, “vor allem für diese Jahreszeit, die Regenzeit”. Wir Glückspilze!
Nach zwei Tauchtagen entscheiden wir uns für eine Aktivität über Wasser und schnappen das Kajak, das uns vom Guesthouse zur Verfügung steht. Gemütlich gleiten wir aus der Bucht, rudern der felsigen Küstenlandschaft entlang. Auf dem Rückweg legen wir eine Pause in einer der einladenden Kneipen am Seeufer ein, gönnen uns im Schatten einen erfrischenden Fruchtsaft. Für einmal geniessen wir den Seeblick von der anderen Seite der Bucht. Etwas Wind und Wellen kommen auf, das Paddeln auf dem Rückweg verlangt unseren Oberarmmuskeln – ähm, vor allem Rolands Muskeln – etwas mehr ab wie zu Beginn unseres kleinen Kajakabenteuers.
Das Zentrum von Nkhata Bay offenbart sich wie ein grosser Marktplatz mit vielen kleinen Shops, die Lebensmittel und sonstigen Kram verkaufen oder ihre Dienste anbieten. An Ständen werden frische Fische feilgeboten – man riecht es von weitem! Wir schlendern durch die ungepflasterten Gassen. Trotz buntem Treiben herrscht eine entspannte Atmosphäre.
Der Hunger zieht uns auch heute wieder ins “Kaya Papaya”. Im ersten Stock des charmanten Restaurants lässt sich gemütlich sitzen. Aber in erster Linie reizt die etwas andere Speisekarte – es werden Pizzas und thailändische Gerichte angeboten. Dies ist eine willkommene Abwechslung, denn ansonsten beinhaltet unser Speiseplan meist Reis, Kartoffeln, Fisch und Hühnchen.
Gesättigt machen wir uns auf die Suche nach einem Coiffeur, der sich an Roland’s Mähne wagt. Das Unterfangen ist gar nicht so einfach, stets werden wir weitergereicht. Schlussendlich begleitet uns eine aufgeschlossene, über beide Backen strahlende Frau und bringt uns zu einem Männersalon. Der Frisör zeigt sich bereit, die Schnittlauchlocken zu kürzen, besitzt jedoch keine Schere. “Ich habe zu Hause eine Schere, die könnte ich morgen mitbringen”, bietet unsere herzliche Begleitung euphorisch an. Als wir den jungen Mann aber fragen, ob er denn mit einer Schere Haare schneiden kann, schüttelt er nur entrüstet den Kopf. Einen Frisör zu finden,
der mit Schere zu hantieren weiss, ist aussichtslos. Afrikanische Haare werden mit einem Langhaarschneider rasiert. So bleibt Roland nichts anderes übrig, wie seine Haarpracht auf rund einen Zentimeter stutzen zu lassen. Ruckzuck sind seine mittlerweile langen Haare abgefräst. Der Bürstenschnitt reisst kein grosses Loch in die Kasse, kostet nur 500 Kwacha, umgerechnet keinen Dollar. Aber an den geschorenen Anblick muss ich mich erst gewöhnen…
Kommentare
Nkhata Bay – über und unter Wasser — Keine Kommentare
HTML tags allowed in your comment: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>