Nördliche Yasawas – einfach luxuriös
Zerzauste Wolkenschwaden hängen am Himmelsdach. Der Ozean ist aufgebracht, der grosse Katamaran schwankt in den pazifischen Wellen. Auf dem Aussendeck umgibt uns salzig feuchte Meeresluft, warmer Wind kämmt unser Haar. Uns vor zwei Stunden von Drawaqa Island verabschiedet, geraten nun die nördlichen Yasawa-Inseln in Sicht. Unverhofft dringen ein paar Sonnenstrahlen durch die
graue Wolkendecke und verzaubern die Blaue Lagune von einer Sekunde auf die nächste. Statt grüngrau schimmert das Wasser nun türkisblau – wir meinen uns in einer anderen Sphäre. Roland packt seine Kamera beim Schopf und versucht, die magischen Augenblicke bildlich einzufangen, bevor sich wieder eine fiese Wolke vor die Sonne drängt…
Die letzte Haltestelle, bevor die Hochgeschwindigkeitsfähre ihren Rückweg nach Süden antritt. Auf offenem Meer steigen wir in das kleine Motorboot der Unterkunft um. Der Kerl am Steuer brettert wie ein Idiot über die Wogen, krampfhaft klammere ich mich an der harten Holzbank fest. Als wir einer Sandbucht entgegensteuern, atme ich erleichtert auf. Mita nimmt uns herzlich in Empfang. Feine Locken umspielen ihr Gesicht, die dunklen Augen leuchten.
Das familiäre Resort auf der Insel Nanuya Lailai besteht lediglich aus vier traditionellen strohgedeckten Bures. Eine etwas grössere Hütte beherbergt ein Mehrbettzimmer für budgetbewusste Backpacker. Rasch bringt uns die schüchterne Frau lächelnd zu einer Hütte, die schnuckelig ausschaut. Der Schein trügt. Skeptisch schweift unser Blick durch den kleinen schäbigen Raum, wir schlucken einmal leer.
„Strom gibt es keinen“, überrumpelt uns Mita. Das stellt für uns nicht grundsätzlich ein Problem da, ist aber entgegen der Ausschreibung. Dass wir eines der einfacheren Inselresorts gebucht haben, ist uns bewusst, doch etwas mehr haben wir dennoch erwartet. Weder Lampen noch Steckdosen, aber auch kein Nagel zum etwas Aufhängen oder ein Spiegel, geschweige denn ein Schrank oder eine Kommode. Neben dem schmalen Doppelbett steht ein nicht bezogenes Einzelbett, was nicht gerade einen heimeligen Eindruck erweckt. Ein angrenzender Bretterverschlag stellt das fensterlose Badezimmer dar, die Decke fällt uns fast auf den Kopf, die Höhe beträgt nur knapp 180 Zentimeter. Keine Brause, lediglich ein dünner kalter Wasserstrahl rinnt – das Duschen dauert Ewigkeiten. Auch vermissen wir Handtücher und ein Laken zum Zudecken, beides rückt Mita auf unsere Bitte hin zögerlich heraus. Von Annehmlichkeiten wie einer Veranda oder Liegestühlen können wir nur träumen, ein paar zerschlissene Hängematten sind das höchste der Gefühle. Das alles wäre nicht tragisch und kein Grund zum Jammern, hätten wir entsprechend dafür bezahlt. Doch der Preis ist stolz und liess nicht darauf schliessen, das Preis-Leistungs-Verhältnis miserabel. Unser schlichtes, in die Jahre gekommenes Daheim schlägt mit sage und schreibe 160 Franken zu Buche – einfache Vollpension inbegriffen, die etwa ein Viertel des Preises ausmacht.
Mit gedämpfter Stimmung legen wir uns in den weichen Sand, und hoffen, der aufbrausende Wind trägt unsere Entrüstung fort. Für diese Bleibe haben wir uns
entschieden, da die Strandresorts mit etwas besserem Standard einiges mehr kosten, und wir uns das weder jede Nacht leisten wollen, noch können. Auch wurde die Familie gerühmt, die sich liebevoll um ihre Gäste kümmere, doch schon kurz nach unserer Ankunft glänzen sie mit Abwesenheit und informieren weder über Gegebenheiten noch Aktivitäten wie sonst wo… Schwungvoll schlagen die Wellen am Strand auf, lecken wie Zungen am groben Sand und treiben uns in die Enge. Bei Flut ist der weisse Sandstreifen gänzlich verschwunden, wie auf anderen Inseln auch.
Ein grellgrünes Haus, einen Steinwurf von unserer Hüttenansammlung entfernt, ist nicht zu übersehen. Die Türen stehen offen, aber Lo’s Teestube ist verwaist. Neugierig stecken wir unsere Nase ins Lokal, klopfen und rufen. Nichts rührt sich. Gerade als wir auf dem Treppenabsatz kehrtmachen wollen, wackelt eine füllige
Frau mit einem Mädchen an der Hand den Hügel hinunter und winkt uns aufgeregt zu. Das muss Lo sein, wir warten. Wohlgesinnt streckt uns die dunkelhäutige Frau ihre Hand entgegen: „I‘m Lo – nice to meet you.“ Ein lebensfrohes Fidschi-Lachen ist ihr ins Gesicht geschrieben, wir plaudern eine Weile. Die Bestellung aufgegeben,
setzen wir uns auf die schiefe Bank an einem der zusammengezimmerten Holztische. Meersicht inklusive. Geschickt serviert uns das zierliche Mädel strahlend eine Tasse frischen Minzetee und Schokoladekuchen. Die Kleine ist zuckersüss, doch zu unserem Missfallen behandelt sie die Katze weniger zimperlich wie uns, packt sie fest am Schwanz und schwenkt sie böswillig durch die Lüfte.
Kurz vor Mitternacht. Es juckt, ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut. Roland ergeht es ebenso. Wir ahnen Schlimmes. Mit der Taschenlampe wollen wir unseren Verdacht ausschliessen. Unmöglich, es krabbelt. Hier eine Bettwanze und da eine, noch weitere Biester kommen zum Vorschein. Vollgesogen mit unserem Blut, knallrote Flecken auf dem weissen Laken zeugen davon. Das hat uns gerade noch gefehlt – was nun? An Schlaf ist nicht mehr zu denken, uns zurück ins verseuchte Bett zu legen schon gar keine Option. Roland streift sich eine Hose über und hämmert erfolglos an die Türe unserer Gastgeber. Keine Reaktion. Nach einem zweiten Anlauf steht Mita schlaftrunken auf der Matte. „Es hat sich noch nie jemand beschwert“, versucht sie sich mit ahnungsloser Miene glaubhaft zu machen. Das sagen sie immer, das war genauso, als wir in Dubai und in Indonesien schon Pech mit Bettwanzen hatten. Sie richtet uns ein anderes Zimmer her, welches noch verächtlicher ist als das erste. Hoffentlich haust hier wenigstens kein Ungeziefer…
Ohne Appetit schleichen wir uns am nächsten Morgen übernächtigt an den
Frühstückstisch. Mita entschuldigt sich ansatzweise und wir zeigen uns versöhnlich, um eine angenehme Stimmung für die verbleibende Zeit zu schaffen. Zwar würden wir am liebsten Abhauen, doch haben wir dummerweise drei Nächte im voraus bezahlt – da müssen wir jetzt durch… Das Stahlblau des Himmels vertreibt die Müdigkeit, nach tagelangem durchzogenem Wetter ist endlich ungehemmter Sonnenschein zurück. Quer über die kleine Insel führt ein
schmaler Fussweg, zu beiden Seiten offenbaren sich phänomenale Ausblicke auf das in verschiedensten Blautönen leuchtende Meer und die Palmenhaine. Die restliche Landschaft braungelb und dürr, fällt auf den trockenen Yasawa Islands viel weniger Regen als auf der Hauptinsel. Mangobäume gedeihen prächtig in diesem Klima, die tropischen Früchte liegen zu Hunderten am Boden. Mangos im Überfluss, reif vom Geäst herunter geplumpst und viele leider schon verfault. Es kitzelt uns im Gaumen und wir sacken eine Handvoll der schöneren Exemplare ein.
Schweissüberströmt erlangen wir nach einer halben Stunde die gegenüberliegende Seite der Insel, die an die paradiesische Blue Lagoon grenzt. Hier wurde 1979 der bekannte
Hollywood-Streifen „Die blaue Lagune“ mit Brooke Shields gedreht. Die sanft geschwungene Bucht mit makellos weissem Pudersand ist von Kokospalmen gesäumt – ein Postkartenidyll. Das Planschen im kristallklaren, türkisfarbenen Wasser erfrischt unseren Körper und alle Sinne – wir können uns kaum sattsehen. Noch teilen wir den reizvollen Fleck mit vielen Touristen, doch am Mittag dampft das vor Anker liegende Kreuzfahrtschiff ab und alle anderen kehren für das Mittagessen in ihr Resort zurück. Wir bleiben mutterseelenallein zurück. Wohlweislich haben wir Mita vorgewarnt, dass wir uns für das mittägliche Mahl vielleicht verspäten. „Kein Problem“, entgegnet sie unkompliziert, „we live on Fiji-Time!“
Mit ausgeliehener Schnorchelausrüstung nehmen wir einen Augenschein von der Unterwasserwelt, wo anfänglich kaum Fische mit uns flirten. Plötzlich wimmelt es von Flossen, die uns richtiggehend auf die Pelle rücken. Von den Einheimischen manchmal für
ihre schnorchelnden Gäste angefüttert, sind sich die Meeresgeschöpfe wohl an Menschen gewohnt – wir fühlen uns wie Fischfutter… Spätnachmittags auf unserer Inselseite zurück, möchten wir uns die Salzkruste von der Haut spülen. Doch wo gestern noch ein spärlicher Wasserstrahl floss, kommt heute kein Tropfen. Alle Familienmitglieder sind verschollen, uns bleibt nichts anderes übrig, wie uns zu gedulden. Später bringt man uns einen vollen Eimer des kostbaren Nass, der Wassertank sei leer. Diese Panne begeistert uns, den das Wasser über uns zu schöpfen ist viel effizienter, als zu duschen…
Das Abendessen mundet hervorragend, die indischen Speisen duften exotisch und treffen unseren Geschmacksnerv. Frische Ananas und Mangos runden jeweils die Mahlzeiten ab. Das Essen ist es, was uns hier am besten gefällt – es fällt nicht so üppig aus wie in anderen Hotels, was uns lieb ist. Alle sitzen zusammen an einem langen Tisch, meistens sind wir jedoch nur ein halbes Dutzend Gäste. Nebst uns vorwiegend ganz junge Leute, mehrheitlich Frauen, wie überall in den Yasawas. Wir unterhalten uns gut und Erinnerungen an frühere Zeiten werden geweckt, als wir damals selber mit gut zwanzig in die weite Ferne schweiften… „Das Mahl war lecker“, rühmen wir die Köchin, ein verlegenes Lächeln huscht über ihr Gesicht. Thea ist verheiratet, ihr Mann wuchs im angrenzenden kleinen Dorf auf, wo jeder mit jedem verwandt ist. Die grossen Kinderaugen ihres einjährigen Sohnes blicken uns misstrauisch entgegen, er klammert sich um die Beine seiner Mutter. Die sympathische Frau ist auf Viti Levu aufgewachsen und lebt noch nicht lange hier. „Ich muss mich noch immer an diese winzige Insel gewöhnen“, gibt sie leise preis. „Ein Leben ohne Strom und ohne Fernseher ist eine Umstellung für mich.“ Über ein öffentliches Stromnetz verfügen die Dörfer auf den Yasawas nicht, in komfortableren Hotelanlagen wird Strom mit Generatoren oder Solaranlagen erzeugt. Die Preise für Konsumgüter sind auf den abgelegenen Inseln höher als auf der Hauptinsel. „Die Windeln mehr als doppelt so teuer!“, seufzt Thea.
Trotz zeitweiligen Glücksmomenten freuen wir uns auf die Abreise am nächsten Tag. Der Abschied fällt einseitig aus, niemand ist präsent, unser „bye bye“ wird nicht erwidert. Wir sind enttäuscht, haben wir uns von einem einfachen, familiären Resort nicht Luxus, aber grenzenlose Herzlichkeit erhofft. Unsere nächste Insel ist nicht weit entfernt, zügeln wir auf die Nachbarinsel auf der gegenüberliegenden Seite der Blauen Lagune, die sich heute in grauem Kleid präsentiert. In wenigen
Minuten fegen wir im Motorboot auf Tavewa Island, wo ich vor über zwanzig Jahren einst weilte. Vieles hat sich seither verändert, nichts ist mehr wie damals, als es noch keine öffentliche Fähre gab und man noch auf den kleinen Geldbeutel zurückgreifen konnte. Früher vorwiegend von Rucksacktouristen besucht, nannte sich eine Unterkunft beispielsweise „Place“, heute sind sie alle vielversprechend auf „Resort“ oder „Lodge“ getauft. Doch der Name verrät noch gar nichts über den Standard. Die Bandbreite reicht von verlotterten Hütten mit geteiltem Bad bis hin zu luxuriösen Villen mit ihrem privaten Strandabschnitt.
Warmherzig werden wir am Coconut Beach empfangen. Im Nu steht eine frische Kokosnuss mit Trinkhalm vor unserer Nase. Während wir im weichen Sofa lehnen und warten, bis unser Zimmer fertig hergerichtet ist, lernen wir bereits Marianna und Jürg kennen. Mit dem Ehepaar aus der Schweiz verstehen wir uns Anhieb blendend und schätzen es, wieder einmal in Mundart zu plaudern. Die beiden frisch Pensionierten umrunden in einem halben Jahr die Welt, stehen aber noch ganz am Anfang ihrer grossen Reise. Bald finden wir heraus, dass Freunde unsererseits ihre unmittelbaren Nachbarn sind. Wie klein die Welt wieder einmal ist, können wir kaum fassen…
Wenige gemauerte Häuschen verteilen sich in einem grossen Garten. Unzählige schlanke Kokospalmen ragen empor, Schilder warnen vor herabfallenden Nüssen. Unser Schlafgemach ist stillvoll eingerichtet, das Freiluftbadezimmer geräumig. Überall sind frische Blumenblüten platziert, duftende dekorative Farbtupfer. Wohlbehagen breitet sich umgehend in uns aus, glückselig setzen wir uns auf die Veranda. Eine Hängematte nennen wir unser eigen,
vorne am Strand stehen Sonnenschirme, darunter genügend Liegen für alle. Wir sind in einer ganz anderen Welt gelandet. Die vielen Annehmlichkeiten bekommen nach unserem letzten Inselerlebnis nochmals einen ganz anderen Stellenwert. Die im Vergleich luxuriöse Infrastruktur widerspiegelt sich selbstverständlich im Preis. Unser schicker Bungalow kostet doppelt so viel wie die schmuddelige Hütte zuvor. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist aber weitaus besser – das Beste aller vier besuchten Resorts auf den Yasawas.
Laut trommelt Regen auf unser Dach, reisst uns aus den nächtlichen Träumen. Blitze zucken am Himmel, kurz darauf markerschütterndes Donnerkrachen. Es schüttet wie aus Kübeln und das Gewitter scheint kein Ende zu nehmen. Am nächsten Morgen herrscht absolute Windstille – Ruhe nach dem Sturm. Trotz Bewölkung ist es fast unerträglich schwül. Liegestuhl oder Hängematte? Die Qual der Wahl. Beides ist nicht zu verachten, wir pendeln hin und her. Ein wunderbarer Fleck, wir geniessen die erholsamen Tage, unsere letzten in Fidschi, trotz den Launen des Wetters. Wolken und Sonne wechseln sich häufig blitzschnell ab. Eine Meeresbrise kommt auf, kurz darauf öffnet der Himmel seine Schleusen, dicke Tropfen fallen. Die tropische Regenzeit hat mittlerweile endgültig eingesetzt.
Heute Abend findet eine Kava-Zeremonie statt. In einer kleinen Runde – ein Dutzend Gäste und ein paar Angestellte – sitzen wir auf einer Bastmatte im Schneidersitz am Boden. Der aufgestellte Bryan erklärt uns mit Witz die Herstellung von Kava, auch Rauschpfeffer genannt. Das Nationalgetränk von Fidschi ist fast überall im Südpazifik populär. Getrocknete Wurzeln der Kava-Pflanze – eine Art Pfeffergewächs – werden in einem Mörser zu einem feinen Pulver zerstampft. In einer grossen holzgeschnitzten Schale wird das grüngraue Pulver mit Wasser vermischt. Die nun lehmartige Flüssigkeit erweckt eher den Eindruck von Abwaschwasser, wie die eines beliebten Drinks. Alle nippen nun der Reihe nach aus derselben Kokosnussschale. „High tide or low tide?“, fragt Bryan grinsend. Jeder hat die Wahl, ob er eine knappe oder eine gut gefüllte Schale der trüben Brühe kosten möchte. Bevor man das kleine Gefäss entgegen nimmt, klatscht man einmal in die hohle Hand, ruft Bula und leert die Kava in einem Zug.
Der Geschmack ist eigenartig, mit nichts vergleichbar, aber weniger grässlich als gedacht. Die Zunge fühlt sich leicht pelzig an, wie leicht anästhesiert, so auch der Rachen. Kava ist nicht alkoholisch, doch bechert man in rauen Mengen, wird man schläfrig. Untermalt wird das traditionelle Kava-Gelage von lebensfrohem Gesang, enthusiastisch begleitet von Gitarre und Ukulele. Der Kontrabass ist zum Schmunzeln – gefertigt aus einem riesigen Holzwürfel, darin steckt ein dünner Stab mit einer Saite. Die Stimmung ist ausgelassen, wir klatschen und schunkeln im Takt. Das Musizieren nimmt auch während dem Abendessen seinen Lauf und danach wünschen uns alle persönlich eine gute Nacht – die gesamte Crew ist herzensgut.
Als morgens erste Sonnenstrahlen den bewölkten Himmel durchbohren, schnüren wir zuversichtlich die Wanderschuhe. Erst dem Strand entlang und dann ins Inselinnere, schnauben wir auf einen Inselhügel. Der steile Pfad ist von hohen trockenen Grashalmen gesäumt, wo uns überhaupt kein Windhauch mehr erreicht. Eine drückende Schwüle lastet schwer auf
unseren Schultern, die gefühlte Luftfeuchtigkeit beträgt 200 Prozent. Der Schweiss drückt stärker aus den Poren wie in einer Sauna, bald sind unsere Kleider völlig durchnässt. Oben angekommen entzückt ein hervorragender Panoramablick, doch die Sicht auf die umliegenden Eilande ist milchig trüb. Wieder zurück entledigen wir uns schleunig den dampfenden Schuhen und hechten zur Abkühlung ins Meer.
Am Nachmittag steht eine Kokosnuss-Demonstration mit Bryan auf dem Programm. Mit Schalk in den Augen steht der Strahlemann vor den Gästen, seine Zähne blitzen weiss – keine Selbstverständlichkeit in Fidschi. Erstmals müssen Kokosnüsse her, flink wie ein Wiesel bezwingt Bryan eine der hohen Palmen. In Windeseile im Blattwerk angekommen, schubst er ein paar Nüsse in die Tiefe. Der Mund steht uns offen, als er sich dort oben mit Muskelkraft wendet, und nun kopfüber vom senkrechten Stamm der Palme klettert – selbst die Affen wären neidisch. „Das gibt es nur im Coconut Beach“, verklickert er uns ausser Atem, und wischt sich mehrmals den Schweissfilm von der Stirn. Wir glauben ihm aufs Wort und applaudieren tief beeindruckt.
Der Höhepunkt der Veranstaltung nun vorbei, erfahren wir vom vielseitigen Nutzen der Pflanze. Nebst dem Verwerten des weissen Fleisches und dem Saft der Kokosnüsse, werden Palmwedel zu Matten oder Körben geflochten, das Holz des Stammes wird für den Bau von Häusern verwendet und abgeschabte Rinde dient als Medizin.
Unmittelbar ans Ferienresort grenzt eine kleine Siedlung mit einer Handvoll armseligen Hütten, der grösste Bau, eine blaue Holzkirche. Wann der Pfarrer jeweils aufkreuzt, ist ungewiss. Doch heute Samstagabend sei es soweit, das lassen wir uns nicht entgehen. In der Regel ist der Sonntag der Tag des Gebets und der Gottesverehrung, und der Familie gewidmet. 60 Prozent der Bevölkerung bekennt sich zum christlichen Glauben und 30 Prozent sind Hindus. In der schlichten Kirche stehen nur wenige Holzbänke, viele Menschen sitzen auf dem harten Boden.
Ansonsten läuft der katholische Gottesdienst fast wie in unserer Heimat ab. Die Predigt ist lang, aber in Fidschi gehalten, wir verstehen keine Silbe. Gesungen wird mit Elan, volle Stimmen in verschiedenen Tonlagen erfüllen den stickigen Raum – ergreifend. Am Sonntagmorgen beim Frühstück überrascht uns das Personal mit ein paar Gospelsongs. Alle sind mit Leidenschaft bei der Sache, ihre Musik erreicht unsere Seelen.
Am weissen Strand vertreten wir uns die Beine, der Sandstreifen ist malerisch von Kokospalmen gesäumt ist. Barfuss den ganzen Tag, ein wunderbares Gefühl. Rasch ist es jeweils wieder soweit und die Trommel schlägt. Essenszeit. Wie in beinahe allen Resorts der Yasawas, ist die Vollpension unumgänglich, sozusagen obligatorisch. Nachmittags verwöhnt uns sogar noch Kaffee und Kuchen, ein
Dreigänger erwartet uns beim Nachtessen. Die hübsch angerichteten Teller lassen uns das Wasser im Mund zusammenlaufen. Die Portionen oftmals reichlich – locker könnte ich FDH machen, doch bei dieser Gaumenfreude nicht ganz einfach. Meist schlemmen wir zu viert, zusammen mit Marianna und Jürg, geniessen ihre Gesellschaft, und stossen an unserem letzten gemeinsamen Abend mit einem – zu warmen – Glas Rotwein auf die vergangenen Tage an.
Der letzte Morgen. Tiefblauer Himmel und grenzenloser Sonnenschein, wir wähnen uns im
Wetterglück. Unser Blick gleitet über das Wasser, das im gleissenden Licht wie ein Diamantenteppich funkelt. Mittags heisst es Abschied nehmen. Vom Coconut Beach und den Yasawa Islands. Alle abkömmlichen Angestellten haben sich am Strand versammelt und singen mit Inbrunst den „Farewell Song“. Die frischen Blumenketten um unseren Hals, verströmen einen betörenden Duft. Wir
sind zu Tränen gerührt, die liebenswürdige Crew ist uns ans Herz gewachsen. Der Reihe nach umarmt uns jeder einzelne, bevor der Aufbruch drängt. Vinaka – vielen Dank! Noch ein letztes Zuwinken aus dem Boot, bevor wir über die Blaue Lagune der bereits wartenden Fähre entgegen schippern. Die zerklüftete Inselkette der Yasawas huscht an uns vorbei. Über vier Stunden an Bord, bevor wir abends in Nadi auf der Hauptinsel zurück sind. Der strahlende Tag und unser Südseetraum, haben sich urplötzlich in Luft aufgelöst. Der Himmel grau, das Wasser ebenso, weisse Schaumkronen tanzen auf den Wellenkämmen…
Hallo
wir reisen in ein paar Wochen mit unseren drei kleinen Jungs nach Fiji und ich bin über euren Blog gestolpert. Haben das Sunrise Lagoon Resort auf Nanuya Lailai gebucht – ist das zufällig der Ort wo ihr die schlechten Erfahrungen gemacht habt? Ich hoffe nicht…
Könnt ihr mir erzählen was es auf den Yasawas so zu essen gab? Da unser Jüngster erst ein Jahr alt ist muss ich noch klären wieviel Babyfood ich mitnehmen muss.
viele Grüsse
Karin
Liebe Karin
Vielen Dank für deinen Besuch auf unserem Blog.
Nein, wir haben damals in einem anderen Resort, im Gold Coast Inn, gewohnt. Da es auf den Yasawas kaum Restaurants gibt und man eigentlich vorwiegend in der eigenen Unterkunft isst, fällt der Speiseplan je nach dem aus. Was es oft gab war Reis, Kartoffeln, Fisch, Fleisch, indische Gerichte, aber auch internationale Küche. Am besten fragst du wohl vorab in eurer gebuchten Unterkunft nach. Gibt es kleine Läden, ist das Angebot sehr beschränkt.
Wir wünschen euch eine traumhafte Zeit in Fiji.
Liebe Grüsse
Christine & Roland