Safari im Krüger Nationalpark
Wer kuckt denn da hinter dem Gebüsch hervor? Eine Giraffe! Genüsslich knabbert sie in luftiger Höhe Akazienblätter aus dem Geäst. Rund 20 Stunden am Tag ist sie mit Fressen beschäftigt, zum Schlafen bleibt kaum Zeit. Nun richtet sie sich auf und ihr Hals ragt weit über das Gestrüpp. Wow, wie riesig sie ist. Nur schon der Hals ist gut zwei Meter lang. Sie besitzt – wie der Mensch – sieben Halswirbel, nur misst ein jeder rund 40 Zentimeter. Das mächtige Tier mit der unregelmässigen weissen Gitterzeichnung auf dem braunen Fell kann bis zu fünf Meter gross werden und bringt über eine Tonne auf die Waage. Nebenan verköstigt sich eine weitere Giraffe. Sie lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und wir können beide aus nächster Nähe begutachten. Plötzlich hören die zwei zu fressen auf und schauen uns eingehend an. Wer beobachtet denn hier jetzt eigentlich wen?
Wir sind auf Pirsch im berühmten Krüger Nationalpark. Tausende von Tieren leben in diesem schmalen Landstrich ganz im Osten des Landes an der Grenze zu Mosambik. Das Wildreservat ist ca. 400 Kilometer lang, 40 bis 90 Kilometer breit und erstreckt sich über eine Fläche von 20’000 Quadratkilometern, ist somit fast halb so gross wie die Schweiz. Die mehrheitlich flache Savannen- und Buschlandschaft wird hin und wieder von kleinen Granithügeln überragt. Alle Flüsse führen zu dieser Jahreszeit wenig Wasser oder sind sogar ganz ausgetrocknet.
Auch viele der Bäume und Büsche sind in der Trockenzeit ohne Laub. So lässt sich die Tierwelt besser erspähen und schart sich oft um die wenigen Wasserstellen. Obwohl die Gegend staubtrocken ist, gibt es doch noch einiges an Grünfutter für die Viecher.
In den Büschen bewegt sich etwas, Äste knacken. Sachte halten wir an und entdecken einen Elefanten, der mit seinem Rüssel geschickt Zweige abreisst und in sein Maul steckt.
Unglaublich, sein Rüssel besteht aus 500 Muskeln und er frisst vegetarisch fast alles, was ihm vor sein Werkzeug kommt – pro Tag bis 500 Kilogramm. Wasser trinkt er täglich 200 Liter, badewanneweise in Schlucken von zehn Litern. Etwas weiter hinten kommt ein zweiter Dickhäuter zum Vorschein, noch mächtiger und mit schneeweissen langen Stosszähnen. Gewöhnlich sind sie ein Meter lang. Zwischenzeitlich können wir eine ganze Herde von Elefanten ausmachen, auch mehrere Jungtiere streifen ihren Müttern um die Beine. Der Elefant ist das grösste Landsäugetier der Welt, wiegt bis zu 6.5 Tonnen und kann ein Alter von 80 Jahren erreichen. Schwerfällig zieht die grosse Herde langsam an uns vorbei…
Es führen geteerte Strassen und Schotterpisten durch den Park. Die maximale Geschwindigkeit beträgt 50 Stundenkilometer. Auf Safari ist man aber meistens nur mit durchschnittlich 25 Stundenkilometern unterwegs. Das Fahrzeug darf nur an wenigen gekennzeichneten Stellen verlassen werden. Es gibt einige Tierbeobachtungsstellen, das sind meistens am Wasser liegende, geschlossene Unterstände aus Holz mit Sitzbänken. Wen treffen wir wohl diesmal an? Mehrere Flusspferde planschen im Fluss.
Manchmal ragen ihre grauen Köpfe knapp aus dem Wasser, nur ihre kleinen Ohren, die Augen und die Nasenlöcher sind sichtbar. Ein paar Zebras traben ans Ufer und stillen ihren Durst. Eine riesige Herde Antilopen tut es ihnen gleich. Auf der gegenüberliegenden Seite trotten zwei Elefanten ans Gewässer und gönnen sich einen Badespass. Einige Krokodile dösen auf den Sandbänken in der Mittagssonne oder lassen sich im Wasser treiben. Manchmal schauen nur Nasen und Augen hervor, auch verwechselt man sie leicht mit dahintreibenden Holzstücken. Langsam reisst eines der wuchtigen Krokodile – sie werden bis zu sechs Meter lang – sein Maul auf und zeigt uns seine gefährlichen Beisser. In einem solchen Maul stecken 70 Zähne.
Wir geniessen die Stille. Nebst dem stetigen Zirpen der Insekten ertönt ab und zu das laute Rufen eines Vogels oder das Schnauben der Flusspferde. Wir können uns kaum losreissen, diese Szenerie ist überwältigend – Afrika pur!
Im zentralen Teil des Krügerparks starteten wir unsere Safari. Die erste Nacht haben wir in Letaba verbracht. Es gibt etliche sogenannte Restcamps, wo entweder auf dem Campingplatz oder in Bungalows übernachtet werden kann. Zur weiteren Infrastruktur zählt jeweils ein Restaurant, ein Laden und eine Tankstelle, auch werden verschiedene Aktivitäten wie Game Drives und Bush Walks angeboten. In Satara, im nächsten Restcamp weiter südlich, buchen wir eine Pirschfahrt. Spätnachmittags ist das Licht weich und taucht die Landschaft in sanfte Farbtöne. Der Safari-Jeep ist riesig, das Unterfangen mit über zwanzig anderen Tierliebhabern nicht ganz unser Ding. Aber bald erscheint das nebensächlich…
Die rote Sonne taucht am Horizont unter, schnell ist es stockdunkel. Mit Lampen leuchten wir die Umgebung aus. Alle hoffen, in der Finsternis reflektierende Tieraugen auszumachen. „Stopp – ein Leopard“, ruft ein Herr hinter uns. Und siehe da, hoch oben im Baum auf einem dicken Ast liegt das Raubtier. Etwas weiter nebenan baumelt seine Beute – tot und angefressen. Des Leopards Lieblingspeise sind Gazellen, die er mit Muskelkraft auf eine Astgabel hochzerrt. Er ist ein exzellenter Jäger und jagt vorwiegend bei Einbruch der Dunkelheit. Ich freue mich, mein Liebling der afrikanischen Tierwelt das erste Mal nachts betrachten zu können. Fühlt sich unser Leopard beobachtet?
Im Zeitlupentempo erhebt er sich und klettert gekonnt vom Baum, schleicht durchs niedrige Gras und verschwindet lautlos in der schwarzen Nacht.
Weiter auf Pirsch – der Ranger nimmt die richtige Spur auf und schon bald präsentieren sich uns zwei Raubkatzen mit feinem Tupfenmuster – Geparden! Sie lassen sich kaum durch uns beirren und streifen langsam durch die Dunkelheit. Ein Glück, dass die eleganten Tiere überhaupt aktiv sind, schlafen sie doch durchschnittlich 20 Stunden pro Tag und jagen in der Regel tagsüber. Sie halten den Geschwindigkeitsrekord der Säugetiere und erreichen ein Autobahntempo von 110 Stundenkilometern. Wir sind beeindruckt und möchten die beiden Katzen gerne noch länger begutachten, aber die Zeit ist leider abgelaufen.
Am nächsten Morgen brechen wir bereits vor dem Frühstück auf. Je früher desto besser stehen die Chancen Tiere anzutreffen. Brennt die Sonne vom Himmel, ist es nicht nur uns, sondern auch den Viechern zu heiss und sie verkriechen sich in den Schatten der Büsche. Wir wählen die Route S100 – die Strecke sei löwensicher. Die unbefestigte Schotterstrasse bringt unseren Camper zum Ächzen und Stöhnen. Diese Strassen sind nicht grundsätzlich schlecht, aber oftmals schlimme Wellblechpisten. Wie ich das hasse – Roland meint, das gehört nun mal dazu. Am Ende des Tages ist das ganze Innenleben des Campers – wir inklusive – mit einer dünnen Staubschicht überzogen. Die Löwen – wo bleiben sie nur? Löwenfutter gibt es massenhaft, viele Impalas bevölkern die Savanne.
Die zierliche, aber kraftvolle Antilope ist eine Weltmeisterin im Hoch- und Weitsprung. Bei Gefahr springt die ganze Herde wild durcheinander, wodurch der Feind verwirrt wird. Aber sie brauchen momentan nichts zu befürchten, denn kein Löwe zeigt sich weit und breit. Wir sind enttäuscht…
Behutsam stoppen wir, schalten den Motor aus. Wir möchten die Herde Gnus nicht vertreiben. Die Kuhantilopen mit ihren dunklen Mähnen und dichten Bärten gewinnen bestimmt keinen Schönheitswettbewerb. Oft wirken sie nervös und getrieben, aber heute sind sie nicht aus der Fassung zu bringen und grasen genüsslich. Unerwartet trabt eine Handvoll Warzenschweine ins Bild. Mit ihren steil in die Höhe gereckten
Schwänzen – aufgerichtet wie Antennen – rennen sie vorbei. Wie meistens sind sie dreckig, denn mit besonderer Vorliebe wälzen sie sich im Schlamm. Weniger Meter weiter macht ein Kudu, eine grosse und meines Erachtens die schönste Antilope, auf sich aufmerksam. Weisse Streifen glänzen auf dem braungrauen Fell und der Bock trägt lange, geschraubte Hörner zur Schau.
Die Zeit verfliegt im Nu, schon ist es wieder Mittag und wir sind bereits seit Stunden unterwegs. Stetig wird es heisser, am Nachmittag ist die Hitze fast unerträglich. Seit Tagen herrschen wieder Temperaturen von nahezu 40 Grad. Wir sehnen uns nach Abkühlung. Glücklicherweise verfügt jedes Restcamp über einen Swimming Pool, wo wir uns jeweils erfrischen. Abends wird es etwas angenehmer. Wären da nicht die Mücken und somit die Gefahr von Malaria, könnte man bis zu später Stunde knapp bekleidet draussen sitzen.
Heute hat das Wetter umgeschlagen, der Morgen präsentiert sich bewölkt. Von Skukuza pirschen wir heute in Richtung Pretoriuskop. Die Wolken bleiben am Himmel hängen und somit sind die Temperaturen angenehm, eine Wohltat. Schon bald riecht es aber nach Regen und innert Kürze kommt es zu einem kurzen, aber heftigen Wolkenbruch.
Was gibt es wohl da vorne zu sehen? Es herrscht ein Chaos auf der Strasse, die Autos stehen kreuz und quer, die Fahrbahn ist blockiert. In einer solchen Situation ist davon auszugehen, dass eine Raubkatze gesichtet wurde. Meistens ist es aber auch so, dass die Hälfte der Fahrzeuge keine Sicht auf das besagte Tier hat und nicht einmal weiss, was es überhaupt zu sehen gibt. Bald können wir eine gute Position ergattern und durch das lichte Gestrüpp gelbbraun glänzendes Fell mit Rosettenmuster erkennen.
Ein Leopard – perfekt! Wie meistens tagsüber schläft der Einzelgänger im Schatten verborgen. Manchmal räkelt er sich, schlägt die Augen auf, schlummert aber sofort wieder ein. Aber wir haben Geduld, viel Geduld. Oft verweilen wir über eine Stunde an einem Spot. Diesmal wird unsere Ausdauer belohnt. Das muskulöse Raubtier hat ausgeschlafen und schwingt sich langsam auf seine vier Beine. Anmutig bewegt es sich durchs gelbe Gras, erledigt sein Geschäft und verschwindet langsam aus unserem Blickfeld…
Fünf Uhr in der Früh – der Tag bricht an. Im offenen Jeep ist es durch den Fahrtwind empfindlich kühl. Wir fahren mit drei weiteren Frühaufstehern und drei Rangern zum Augangspunkt des Bushwalks. Zulu, der bullige Ranger, gibt uns Anweisungen: „What ever happens, don’t run. Und ich wiederhole, egal was passiert, rennt nicht davon. Es nützt euch herzlich wenig, denn die meisten Tiere hier sind viel schneller und ihr zieht so nur die ganze Aufmerksamkeit auf euch.“ Er instruiert uns professionell mit einer Prise trockenem Humor.
Erwartungen betreffend den Tieren haben wir keine und lassen uns überraschen, was der Morgen bringt. Am verstreut herumliegenden Kot erkennen wir, dass schon viele Tiere unseren Weg gekreuzt haben. Sitti, der andere schwarzafrikanische, stets sympathisch lächelnde Ranger, klärt uns ausführlich über die verschiedenen Exkremente und das Ausscheidungsverhalten der Tiere auf. „Hier liegt Büffelkot“, weiss er. „War es ein Männchen oder Weibchen“, fragt er verschmitzt in die Runde. Wir raten – natürlich falsch. „Es war ziemlich sicher ein Männchen. Seht ihr den nassen Fleck daneben? Das ist der Urin – das Weibchen hätte direkt auf den Kothaufen gepinkelt.“ Echt spannend.
Seit einer guten Stunde sind wir nun auf den Füssen und endlich, wir sichten die ersten Tiere. Von blossem Auge sind die beiden Nashörner – eine Mama mit ihrem Kleinen – schon gut erkennbar. Möglichst leise pirschen wir durchs trockene Gras und hoffen, die Grautiere nehmen uns nicht wahr. Nashörner sind zwar kurzsichtig und können uns noch lange nicht sehen, aber dafür ist ihr Gehör und ihr Geruchssinn sehr gut ausgeprägt. Als wir schon relativ nah sind, weist Zulu uns an, umzukehren. Ihm ist der stets wechselnde Wind nicht geheuer, dieser könnte unseren Geruch zu den Nashörnern tragen. Sie könnten sich gestört fühlen und davonrennen. Die eher plump wirkenden Tiere können immerhin eine stolze Geschwindigkeit von 40 Stundenkilometern erreichen. Und welche Richtung sie einschlagen würden, ist auch ungewiss. Also ziehen wir uns geräuschlos wieder etwas zurück.
Auf dem Rückweg erspähen wir weit in der Ferne ein kleiner Trupp geselliger Zebras. Mit dem Fernglas können wir sie etwas klarer sehen. Man glaubt es kaum, aber die auffällig schwarzweiss gestreifte Sträflingskleidung dient der Tarnung. Denn im Hitzegeflimmer des Graslandes verwischen sich die Silhouetten einer Herde zu einem Trugbild, aus dem selbst Löwen nicht klug werden. „Die Streifen sind bei keinem Zebra genau gleich, auch wenn es auf den ersten Blick den Anschein erweckt“, lehrt uns Sitti. Begegnen wir den eher schreckhaften Tieren mit dem Fahrzeug am Strassenrand, galoppieren sie oft in die weite Steppe hinaus.
Manchmal stehen zwei dieser süssen Zebras ganz nah beieinander, halten ihre Köpfe zusammen und scheinen sich zu umarmen. Und nichts scheint sie aus der Ruhe zu bringen.
Der Wegrand ist immer wieder gesäumt von dunkelbraunem, frischen Nashornkot. Dann müssten doch eigentlich auch Nashörner zu sichten sein. „Halt an“, weist mich Roland an, „fahr etwas zurück, da sind zwei“. Gleich neben der Schotterpiste fressen sich die beiden Nashörner wie Rasenmäher durch das Gras. Eines der urtümlich wirkenden Rhinos ist riesig und trägt ein langes, geschwungenes Horn. Bei einem Breitmaulnashorn – auch weisses Nashorn genannt – ist das Horn durchschnittlich einen Meter lang. Wir geniessen diese Begegnung aus nächster Nähe in vollen Zügen. Roland ist einmal mehr im Fotografenelement und schiesst gelungene Bilder. Lange beobachten wir die Beiden – sind sie wohl ein Paar?
Wir befinden uns mittlerweile ganz im Süden des Parks. Die Gegend hat sich verändert, ist hügeliger geworden. Am Berghang bewegen sich kleine braune Punkte. Wir greifen zum Feldstecher. Es sind Büffel, die sich zügig in unsere Richtung bewegen. Die Herde ist riesig und umfasst grob geschätzt 150 der braunen Wildrinder. Sie tragen dicke sichelförmige Hörner, die fast ihre ganze Stirn bedecken. Die schwergewichtigen Kerle sind unberechenbar und die restlichen Bewohner der Savanne gehen ihnen aus dem Weg, selbst Löwen legen sich nicht ohne weiteres mit ihnen an. Die Büffel sind zwischenzeitlich an der Strasse angelangt, die sie nun auch überqueren und so den Verkehr für eine Weile lahmlegen.
Wir steuern dem Restcamp Berg-en-Dal entgegen. Wie üblich checken wir an der Rezeption ein. Da taucht plötzlich ein mir bekanntes Gesicht auf. Es ist Claudia, die bei Globetrotter arbeitet, wie ich bis vor kurzem auch. Ein wahrer Zufall – unglaublich. Um das Camp führt ein kurzer Wanderweg, der Rhino Trail. Schade, kein Nashorn lässt sich blicken. Kaum zurück beim Campervan fängt es zu tropfen an. Die letzten beide Tage waren meistens bewölkt und heute, mit dem auffrischenden Wind, sogar unangenehm kühl. Die Temperaturen haben sich halbiert, wir messen nur noch 20 Grad. Das Wetter spielt verrückt. Wir verkriechen uns für das Abendessen zum ersten Mal in unsere gute Stube. Zwischenzeitlich regnet es heftig und wir bemitleiden jene, die im Zelt schlafen oder draussen kochen müssen.
Unser letzter Tag im Krügerpark ist angebrochen. „Heute spüren wir noch einen Löwen auf“, reden wir uns ein. Es ist das einzige Tier, dass wir noch nicht aus nächster Nähe beobachten konnten. Wird unser Wunsch wohl erfüllt? Der Tag beginnt jedenfalls verheissungsvoll. Erst meinen wir Affen zu erkennen, realisieren aber bald, dass es ein Rudel seltene, vom Aussterben bedrohte Wildhunde ist, dass uns entgegen spurtet. Die gefleckten Hunde haben runde schwarze Ohren, ihr Verhalten gleicht aber dem eines Raubtiers. Selbst Leoparden und Löwen machen einen grossen Bogen um sie. Leider macht das Dutzend Wildhunde kaum Halt und trottet viel zu flink an uns vorbei.
Was liegt dort vorne auf der Strasse? Ist das ein grosser Kothaufen? Oder vielleicht doch ein Tier? Die Hyäne schläft seelenruhig inmitten auf der Fahrbahn. Der Aasfresser mit dem struppigen, graubraunen Fell mit den dunklen Flecken wittert Kadaver kilometerweit. Wenn es nichts abzustauben gibt, jagt er aber auch selber erfolgreich. Seine Beute verzehrt er jeweils samt Haut und Knochen. Nebenan im Strassengraben – was für eine Überraschung! Eine ganze Hyänenfamilie hält sich hier auf.
Wir zählen acht Junge. Wie drollig und flauschig sie sind. Immer wieder werfen sie uns mit ihren dunklen Kulleraugen treuherzige Hundeblicke zu. Zwei der Kleinen werden von ihrer Mutter gesäugt, während die restlichen herumtollen. Wir sind völlig fasziniert und können uns kaum sattsehen.
Ein Highlight jagt das nächste. Im Hippo-Pool ist die Hölle los! Wir parken am Ufer des Wasserloches, wo sich bestimmt rund 20 Flusspferde tummeln – von klein bis gross. Normalerweise sieht man von ihnen kaum etwas und sie baden ruhig unter Wasser, wo sie ohne Luft zu holen bis zu zehn Minuten bleiben können. Aber heute präsentieren sie uns ein regelrechtes Spektakel. Ihre walzenförmigen, wuchtigen Körper schiessen aus dem dreckigen Wasser.
Weit reissen sie ihre Mäuler auf, zeigen ihre scharfen langen Eckzähne und grunzen um die Wette. Bekämpfen sie sich oder spielen sie miteinander? Wir sind uns nicht ganz schlüssig. Die Hippos gelten als die gefährlichsten Säugetiere Afrikas. Normalerweise verlassen sie das Wasser nur nachts, um am Ufer zu grasen und legen dann bis zu 20 Kilometer zurück. Den Tag verbringen sie im kühlen Nass, um ihre sonnenempfindliche Haut zu schützen. Heute hieven sich ein paar der grauen Kolosse schwerfällig aus dem Wasser und stapfen auf den Sandbänken umher, um kurze Zeit später wieder in den Tümpel zu plumsen. Ein imposantes Schauspiel…
Wir sind nur noch wenige Kilometer vom Phabeni Gate, dem Ausgang des Parks entfernt. Unsere Safari endet ohne den sehnlichst erwünschten Löwen. Es ist nicht so, dass wir noch überhaupt keine Löwen angetroffen haben, aber wir konnten sie bisher nur knapp mit dem Fernglas ausmachen. Afrikas grösste Raubkatze faulenzt etwa 20 Stunden täglich im Schatten, hält sich meist versteckt. Gefressen wird nur etwa alle drei Tage, aber wenn dann richtig und zwar bis zu 50 Kilogramm Frischfleisch. Das Jagen ist eine vorwiegend weibliche Angelegenheit, das Männchen sorgt für die Sicherheit und das Revier seines Rudels. Der König der Tiere kennt jedoch keine tierischen Feinde… Wenn Löwengebrüll erschallt, hält alles Leben der Savanne im Umkreis von zehn Kilometern den Atem an.
Auch ohne Löwenglück sind wir überwältigt von den zahlreichen eindrücklichen Begegnungen mit den wilden Vierbeinern. In einer Woche haben wir etwa 750 Pirschkilometer zurückgelegt und verlassen nun etwas wehmütig den Krügerpark. Eine einzigartige Welt – eine Welt für sich.
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