Samaná-Halbinsel – ein Palmenreich
Ein warmer Fahrtwind streift durch unsere Haare, üppiges Grün zieht am Autofenster vorbei. Die Gegend rund um die Stadt Nagua trumpft mit Palmenwäldern und Reisfeldern auf – ein grüner Augenschmaus. Seit drei Wochen entdecken wir nun die Dominikanische Republik. Die heutige Reiseetappe von Rio San Juan weiter der Nordküste entlang ist malerisch, immer wieder queren wir auch Dörfer. Voller Vorfreude steuern wir die Península de Samaná an, ein Palmenreich, wo Tropengewächse angeblich fast wie Unkraut spriessen. Die kleine Halbinsel im Nordosten des Karibikstaates ragt wie ein dicker Finger ins Meer, umgeben vom Atlantik im Norden und der Bucht von Samaná im Süden.
Die Samaná-Halbinsel erreicht, jagt eine Kurve die nächste. Die Strasse ist gut ausgebaut, was nicht immer so war. Lange war der Tourismus unterentwickelt und es kamen nur ein paar Abenteurer und Aussteiger. Dies änderte mit dem Neubau und Asphaltieren von Strassen. Heute boomt die Halbinsel und es wird investiert, was zweischneidig ist: Zwar gibt es eine grössere Auswahl an Unterkünften, Restaurants und Aktivprogrammen, aber durch die Besucherströme geht der alte Charme der Abgeschiedenheit allmählich verloren. Wir treffen im Städtchen Samaná an der südlichen Küste ein, wo wir uns die Beine vertreten. Über betonierte Fussgängerbrücken gelangen wir zu vorgelagerten Inselchen. Die Konstruktion wirkt hässlich, der Ausblick auf die verbaute Bucht ebenso.
Las Galeras – am nordöstlichen Ende
Uns zieht es weiter in den nordöstlichen Zipfel. Bald geht das geschmeidige Teerband in eine löchrige Strasse über, mancherorts ist der Asphalt aufgerissen. Nach insgesamt drei Fahrstunden und 150 Kilometer mehr auf dem Zähler, kommen wir im letzten Ort der Halbinsel an: Las Galeras. Das Dorf döst in der Nachmittagshitze, die beinahe ausgestorbene Zufahrtsstrasse endet am Strand. Dahinter schimmert der offene Atlantik meerblau. Im Las Galeras Hotel ergattern wir ein Balkonzimmer. Die Unterkunft liegt in einer ruhigen Seitenstrasse und bettet sich in einen blühenden Garten. Wohlwollend versorgt uns der aufgeschlossene Gastgeber mit wertvollen
Tipps für diese abgelegene Ecke. Jan ist Pole, er spricht auch Deutsch und führt das kleine Hotel zusammen mit seiner einheimischen Liebe. Zur Playa Grande ist es nur einen Katzensprung. Am Dorfstrand legen Boote zu vorgelagerten Inseln oder umliegenden Buchten ab. Barfuss bummeln wir ein paar Meter im Sand und lassen uns durstig in einem winzigen Strandlokal im Schatten nieder. Palmwedel wispern in der leichten Brise, der Ozean funkelt. Zufrieden wühlen wir mit den Zehen im Sand, während wir auf den frischen Fruchtsaft warten.
Dann machen wir uns zur Playa La Playita auf, die an eine andere Seite von Las Galeras grenzt. Jan hat uns den Fussweg dorthin erläutert, trotzdem finden wir die beliebte Badebucht nicht auf Anhieb und fragen verloren in einer Quartierstrasse nach. Jetzt am späten Nachmittag ist der kleine Strand bevölkert, Liegestühle reihen sich aneinander. Kein Wunder, denn das zahme Meer eignet sich gut zum Baden; auch wir stürzen uns ins kühle Nass. Danach suchen wir uns einen freien Flecken Sand und legen uns zum Trocknen eine Weile in die Sonne. Ein paar Fischrestaurants säumen den Strand, doch wir entfliehen dem Trubel und gönnen uns vor dem Abendessen erstmals eine entsalzende Dusche. Im entspannten Dorf setzen wir uns in ein anheimelndes Lokal und schlemmen dort einen fangfrischen Fisch, raffiniert mit einer leckeren Kokossauce zubereitet.
Am nächsten Morgen überrascht uns beim Frühstück ein tropischer Regenguss. Alsbald lacht die Märzsonne wieder und wir schnüren voller Tatendrang die Trekkingschuhe. Von der geplanten Wanderung zur Playa Frontón rät uns Jans Frau allerdings ab: „Der Weg ist steil und nicht gewartet, das ist viel zu gefährlich.“ Stattdessen legt sie uns die Playa Madame ans Herzen. Von Las Galeras strolchen wir von Bucht zu Bucht, eine reizvoller wie die andere, üppig mit Palmen geschmückt und
betörenden Blicken auf die Bergzüge der Samaná-Halbinsel. Dann führt der abwechslungsreiche Weg bergan ins Hinterland, durch Bananenplantagen, an Kakteen vorbei und weiter über ein zerklüftetes Felsplateau. Die kleine Playa Madame verbirgt sich hinter einem Palmenwald und ist von hohen Felsen eingerahmt. Verschwitzt hechten wir zum Abkühlen
sogleich ins Wasser. Während wir anschliessend picknicken, legt hin und wieder ein Ausflugsboot an. Für den Rückweg wählen wir eine andere Route, was schliesslich eine Rundwanderung von elf Kilometern ergibt. Inzwischen ist es drückend heiss und wir sind froh, wenn der bergauf strebende Weg im Schatten verläuft. Aber die Bewegung tut gut.
Um zwei Uhr nachmittags sind wir zurück. Wir schmeissen die Schuhe in die Zimmerecke und machen uns mit dem Auto kurzentschlossen zu einer weiteren Strandbucht auf. Eine erstaunlich gute Strasse windet sich durch Natur und winzige Dörfer, bis wir im Westen von Las Galeras nach einer kurzen Fahrt die Playa Rincón erreichen. Was für ein Strand! Ein Traumstrand. Naturbelassen und wildromantisch. Hingerissen schlendern wir der kilometerlangen, sichelförmigen Bucht entlang. Malerisch säumen Palmenwälder den feinen
weissen Sand. Das Meer leuchtet in verschiedenen Blautönen – von tiefblau bis türkisfarben. Mancherorts neigen sich hohe Kokospalmen neckisch über den Strand, weisse Wolken muten wie Wattebäusche an und zieren den Himmel. Das Bild ist postkartenreif, und wir können uns kaum sattsehen. Immer wieder dehnen wir unseren Spaziergang weiter aus und reissen uns erst los, als sich die Sonne allmählich verabschiedet. Ein wunderbarer Tag geht zu Ende.
Anderntags checken wir im Hotel aus. Zwar würden wir noch liebend gerne länger hier verweilen, doch unsere Karibiktage sind mittlerweile gezählt. Den Besuch der Playa Frontón haben wir noch nicht aufgegeben, aber da uns von der Wanderung dorthin abgeraten wurde und wir keine Lust verspüren, uns mit dem Motorboot dorthin chauffieren zu lassen, haben wir online recherchiert. Nun peilen wir den Strand aus der anderen Richtung an. Ausserhalb von Las Galeras
zweigen wir von der Hauptstrasse auf eine holprige Piste ab. In den Fahrweg graben sich badewannegrosse Löcher – na ja, zumindest auf den Umfang bezogen. Die sieben Kilometer ziehen sich unverhältnismässig lange hin. Dann parken wir das Auto beim Boca del Diablo, dem Teufelsmund. Durch einen Spalt in der Felsküste zischen Wasserfontänen in die Höhe.
Die letzten vier Kilometer meistern wir zu Fuss. Ein Pfad schlängelt sich durch eine sattgrüne Vegetation mit Palmen und Bananenbäumen, dahinter ragen steile Felswände auf. Mancherorts verbirgt sich der Waldweg unter Kokosnussschalen und herabgefallenen Palmwedeln. Nach einer guten Stunde spuckt uns das tropische Dickicht bei der Playa Frontón aus. Eine wilde Schönheit. Palmen und schwarze Felsenbrocken umrahmen den Strand. Entzückt stapfen wir über den
samtweichen Sand. Am anderen Ende schaukelt eine Handvoll Boote im plätschernden Wasser, am Strand hocken Touristen in Badehosen und Bikinis. An einer Theke aus Bambus lassen wir uns vom gut gelaunten Verkäufer Kokosnüsse aufschlagen und schlürfen die vitaminreiche Flüssigkeit. Glücklich machen wir uns auf den Rückweg. Die Rüttelpartie im Auto und die schweisstreibende Wanderung haben sich gelohnt.
Im Dschungel von El Valle
Wieder auf Achse. Auf der Hauptstrasse karren wir zurück bis nach Samaná, dort schwenken wir nach Norden ab. Nach einer kurvigen Strecke kommen wir in El Valle an. Das Nest grenzt an eine Bucht, die sich zwischen bewaldeten Hügeln ausbreitet. Hier erwartet uns eine gemütliche Atmosphäre und eine Prise Ursprünglichkeit. Wir haben eine Übernachtung in der El Valle Lodge gebucht. Der Zufahrtsweg ist kurz, trotzdem landen wir in einer anderen Welt, und es fühlt sich fast an, wie tief im Dschungel. Carina heisst uns freundlich willkommen und bringt uns zu einem der Holzhäuschen,
die sich im Wald verteilen. Über das grosse Bett in unserem Bungalow spannt sich ein Moskitonetz, das stilvolle Bad ist gegen oben hin offen. Zufrieden mit der Wahl der Unterkunft lasse ich mich auf der Veranda erstmals ins Sofa plumpsen. Später folgen wir dem schmalen Weg, der von der Lodge zur Bucht hinab führt. Wellen rollen schäumend an den gering besuchten Strand, streunende Hunde balgen. Zum Baden ist uns das Wasser zu rau, wir spazieren und dösen.
Als sich die Dunkelheit schon längst über den idyllischen Fleck unserer Unterkunft gelegt hat, ist es Zeit für das Abendessen: ein Dreigänger. Wie haben wir uns darauf gefreut, sind nun aber enttäuscht. Für die heisse Suppe ist das Klima zu heiss, die Quesadillas zur Hauptspeise fühlen sich wie ein Snack an, und gesalzen ist nur der Preis. Dafür punktet das romantische Ambiente des Restaurants, Kerzenlicht flackert. Die anderen Tische sind mit weiteren Gästen besetzt, die familiäre Lodge ist ausgebucht. Am Morgen darauf weckt uns Hundegebell. Noch müde lauschen wir im Bett der restlichen Geräuschkulisse: Vögel
zwitschern, Insekten zirpen, das Meer rauscht. Das feine, grosszügige Frühstück versöhnt uns mit dem gestrigen Nachtessen. Auch der Blick vom offenen Restaurant mit seinem Dach aus Palmwedeln ist ein Highlight. Hinter einem Wasserlauf erstreckt sich Grasland und Busch. Wir fühlen uns fast wie in einer afrikanischen Safari Lodge, allerdings gibt es statt Wildtiere nur Haustiere: ein Rudel Hunde. Mit vollen Bäuchen fläzen wir uns in den Sofas auf der luftigen Plattform und lassen bis zum Check-out um zwölf die Seele baumeln.
Salto El Limon bei Las Terrenas
An Palmenwäldern, Feldern und kleinen Ortschaften vorbei, gelangen wir nach einer guten Stunde Autofahrt nach Las Terrenas im Nordwesten der Halbinsel. Das einstmalige Fischerdorf hat sich in einen quirligen Ferienort verwandelt, die Abgeschiedenheit ist längst Geschichte. Touristen kommen in Scharen, angezogen von den herrlichen Stränden und den guten Hotels. Tagsüber schleppt sich ein unendlicher Strom von Fahrzeugen über die beiden Hauptstrassen, wo sich Lokale und Läden aller Art aneinanderreihen. Der Verkehr stockt, wir stecken mittendrin. Es wimmelt von Motorrädern, die frech von rechts und links überholen und an Rotlichtern vorbeiflitzen. Unser Ziel
ist das Hotel Costarena am Strand. Die Dame an der Rezeption zeigt uns ein verfügbares Zimmer, kurzentschlossen nisten wir uns für zwei Nächte ein. Meerblick ist inklusive, zudem Verkehrslärm, da eine Durchgangsstrasse das Hotelgelände vom Strand trennt. Nach einer Tasse Kaffee und einem süssen Nutella-Pfannkuchen tut der Verdauungsspaziergang an der Playa Las Ballenas gut. Unser Hotel liegt ganz am Anfang der Bucht, die sich kilometerweit hinzieht. Am anderen Stadtstrand, der Playa Punta Popy, planschen Familien mit Kindern vergnügt im seichten Ozean. Das Wasser leuchtet in einem intensiven Türkis, zumindest wenn nicht eine Wolke die Sonne umschmeichelt.
Frühmorgens um halb sieben holt uns der Wecker aus dem Reich der Träume. Heute wollen wir beizeiten los. Da das Hotelfrühstück erst ab acht Uhr startet, verköstigen wir uns auf dem Balkon mit einem Müesli aus dem Supermarkt. In der Morgenfrische peilen wir den Salto El Limon an, eine der Hauptattraktionen der Halbinsel. Verschiedene Fusswege führen zum beliebten Wasserfall. Als wir um acht Uhr bei einem der Ausgangspunkte ankommen, ist der Parkplatz noch
verwaist, bis auf ein paar Einheimische, die uns auf einen Pferderücken verfrachten möchten. Freundlich lehnen wir den angepriesenen Ritt ab und folgen dem Pfad aus eigener Muskelkraft. Einem gurgelnden Bach entlang strolchen wir durch schattigen Wald, mancherorts ist der breite Weg etwas schlammig. Nach einer Dreiviertelstunde lotsen uns steile Stufen in die Tiefe, und dann stehen wir vor dem Wasserfall. Unser Plan geht auf – wir sind die ersten.
Aus über 50 Metern stürzt sich der Salto El Limon senkrecht in eine grüne Tropenkulisse. In feinen Kaskaden strömt Wasser herab. Gischt spritzt, wir staunen. Erst als wir uns nach einer Weile vom fabelhaften Wasserfall entfernen und auf der anderen Seite der Schlucht zu einem Aussichtspunkt hochsteigen, begegnen uns weitere Morgenmenschen. Bald tut sich ein Loch im Dschungel auf und somit auch ein sensationeller Blick auf den Wasserfall. Auf einer Hügelkuppe
erspähen wir sogar das Meer in der Ferne. Wir lassen unsere Blicke über das Hügelland schweifen, die weitläufigen Palmenwälder sind eine Wucht. Beeindruckt kehren wir an den Fuss des Wasserfalls zurück, wo sich jetzt am Vormittag einige Leute tummeln, vor allem Einheimische. Die Dominikaner zu beobachten, ist spannend. Während junge Frauen baden und sich für ein Bild in Pose schmeissen, unterhalten sich die Jungs im Schatten. Munter wird fotografiert – ein Selfie hier, ein Selfie dort.
Nachmittags zieht es uns an die Playa Cosón ausserhalb Las Terrenas. Einmal mehr sind wir hin und weg. Der Strand ist zauberhaft, wie einem Bilderbuch entsprungen. Beinahe unberührt zieht er sich in die Länge, Palmen wuchern wild. Tief atmen wir die salzige Meeresluft ein, Glücksgefühle machen sich breit. Leichtfüssig schweifen wir über den feinen Sand, das flache Wasser umspielt
angenehm unsere Füsse. Roland hüpft ins Wellenbad, mir reicht der kühlende Windhauch im Palmenschatten. Nach einem Schlummer verspüre ich ein Ziehen in der Magengegend, Hunger kündigt sich an. Im einfachen Lokal am Strandende bestellen wir einen Fisch und stossen mit einem Fruchtsaft auf den Traumbucht vor unserer Nase an.
Regenwolken über Miches
Es ist Sonntag, halb zehn und schon dreissig Grad warm. Etwas Wehmut fährt mit, als wir die Samaná-Halbinsel über die Panoramastrasse im Norden verlassen. An der Mautstelle weiten sich unsere Augen: 400 Peso blättern wir für die kurze Fahrt auf dem glatten Asphalt hin, was sieben Schweizerfranken entspricht. Ein stolzer Preis, auch für wohlhabende Ausländer. Über die
Autobahn düsen wir an Reisfeldern vorbei Richtung Süden. Als die nette Stimme der Navi-App uns nach Osten dirigiert, geht der Teer plötzlich in Schotter über. Allmählich verschmälert sich die Staubpiste und es schüttelt uns kräftig durch. Auch tauchen keine anderen Vehikel mehr auf, nur ab und zu ein paar Häuser am Wegesrand. Ob sich das verlassene
Strässchen irgendwann im Busch verliert? Gemäss Navi-App und Landkarte ist meine Sorge unbegründet, aber wann wir wieder auf einer „richtigen“ Strasse landen, ist ungewiss. Erst nach vierzig Kilometern im Schneckentempo können wir wieder Gas geben. Nun folgt ein kurviger Abschnitt über einen Hügelzug, auf den Leitplanken liegt bunte Wäsche zum Trocknen aus. Oben machen wir eine Pause, verschlingen unter einem Baum saftige Mangos, und gucken dabei genüsslich auf den türkisblauen Ozean hinab.
Wieder Meereshöhe erlangt, nimmt unsere längste Reiseetappe in Miches ein Ende. Über fünf Stunden sind verstrichen. Wir steigen im preisgünstigen Hotel La Loma ab. Von Schweizern geführt, thront das Gasthaus auf einem aussichtsreichen Hügel. Miches liegt auch an der Bucht von Samaná, allerdings befinden wir uns nun an deren Südseite. In den im Schachbrettmuster
angelegten Strassen ist wenig los, das Dorfzentrum macht wohl einen Sonntagsschlaf. Ein langer Holzsteg führt weit ins Meer hinaus, hier am Wasser treffen wir auf etwas Leben. Den lauen Abend verbringen wir auf unserem Balkon. Lärmende Musik weht vom Dorf herauf; an die Lautstärke der karibischen Feststimmung haben wir uns längst gewöhnt.
Anderntags ist der Himmel bewölkt und das Panorama von oben nur halb so aufregend, die Farben verblasst. Aufregender ist das Morgenessen: Schweizer Zopf trifft auf tropische Früchte. Es ist friedlich hier oben, wir sind die einzigen Gäste. Spontan entscheiden wir, unsere allerletzte Nacht auch hier zu residieren statt im touristischen Punta Cana in Flughafennähe. Auf dem Balkon warten wir sehnsüchtig auf erste Sonnenstrahlen, aber vergeblich. Mittags brechen
wir trotzdem zur nahegelegenen Playa Limón auf. Zuversichtlich flanieren wir über den einsamen Zitronenstrand, Roland knackt mit Hilfe eines spitzen Steins eine herabgefallene Kokosnuss. Noch immer verbergen Wolken den Sonnenball, und die wilde Küstenlandschaft präsentiert sich farblos. Erst als wir am späteren Nachmittag beim Nachbarstrand Playa Esmeralda ankommen, schmuggeln sich vereinzelte Sonnenstrahlen zaghaft durch die aufgelockerte Wolkendecke.
Und schon ist er da, der Abreisetag. Der Morgen zeigt sich erneut in einem wolkigen Gewand, zwischendurch regnet es sogar. Wir sind ernüchtert. Auf dem Weg zum Flughafen wollten wir den Montaña Redonda erklimmen, einen 300 Meter hohen Berg mit Rundumblick. Sollen wir es trotz dramatischen Gewitterwolken wagen? Als eine gutmütige Portion Sonne durch eine Wolkenlücke drückt, schöpfen wir Hoffnung, doch schon ist die nächste Front im Anzug. Was solls. Alle Siebensachen zusammengepackt und im Kofferraum verstaut, steuern wir mit Zuversicht den Aussichtshügel an. Auf dem Parkplatz angekommen, lassen uns die happigen Preise leer schlucken: Das Eintrittsgeld pro Person kostet sieben US-Dollar, der Parkplatz zusätzliche fünf. Eine Piste führt auf den Berg, aber selber hochfahren ist verboten, und ein Allradshuttle kostet
weitere zwanzig Dollar. Das ist uns wiederum egal, wollen wir vor der langen Flugreise sowieso die Beine vertreten. Der Weg ist steil und es ist schwül, wie eine Dampflok schnauben wir bergan. Bald entleert eine Wolke ihre kostbare Fracht, danach bleibt es immerhin trocken. Als wir nach einer Dreiviertelstunde „das Oben“ erreichen, baden wir im eigenen Saft. Die 360-Grad-Sicht ist atemberaubend und reicht von grünem Hügelland über zwei Lagunen bis auf die palmengesäumte Küstenlinie mit dem Atlantik. Beflügelt schwingen wir auf der grossen Schaukel über den Abgrund…
Touristenrummel in Punta Cana
Am frühen Nachmittag brausen wir Richtung Süden, die Landstrasse gehört fast uns allein. Weiden und Höfe liegen am Weg, in dieser noch ursprünglichen Region leben viele Bauern und Fischer. Als der Verkehr zunimmt, sind wir auf touristischem Boden angelangt, dort, wo sich die Hotelzone von Bávaro und Punta Cana erstreckt. Weisser Sand, Kokospalmen und kristallklares Meer sind das Kapital der Südostküste. Bis in die 1970er-Jahre war Punta Cana nur der Name eines
Dorfes am Ende einer schlechten Strasse. Heute ist die Region ein weltbekanntes All-Inclusive-Ferienparadies mit Rundumversorgung. Eine eigene Welt, die man bis zur Heimreise nicht mehr verlassen muss, was die meisten Urlauber auch gar nicht vorhaben. Zu Bávaro zählt der Ort El Cortecito mit kleinstädtischem Flair, wo es kleinere Hotels und Pensionen gibt. Doch auch hier dominiert heutzutage Touristenrummel und man findet unzählige Restaurants, Bars, Einkaufszentren und Kinokomplexe.
Noch verbleiben ein paar Stunden bis zum Abflug. Im wuseligen El Cortcito einen Parkplatz zu finden, ist gar nicht so einfach. Das Gefährt abgestellt, finden wir keinen öffentlichen Durchgang zum Strand. Alles ist verbaut, und wo nicht, da wird gebaut; schliesslich huschen wir über eine Baustelle. Der Sand ist tatsächlich schneeweiss und puderfein, Palmen ragen in den Himmel und das Wasser schimmert in märchenhaftem Türkis. Ein dichter Gürtel aus Unterkünften, Restaurants und Shops säumt den flachen Strand. Im Wasser
wiegen Touristenboote und Bojenketten markieren den Schwimmbereich, Kinder jauchzen. Wie erwartet sagt uns das Ganze weniger zu – gut haben wir die letzte Nacht im beschaulichen Miches verbracht. Der Restauranttipp unserer Freunde entspricht allerdings unserem Geschmack. Zurückgezogen hinter Palmen versteckt sich das schnuckelige Lokal, wo wir unseren Hunger stillen und entspannt an einem letzten Drink nippen. Warum sind unsere vier Wochen Karibik nur schon um?
Danke vielmals für wunderbaren Bericht! Sind Einheimische ehrlich? Gibt es Kriminalität? Wie ist Automieten? Was kostet?
Hallo Robert, schön, dass dir unser Bericht gefällt.
Wie überall sind wahrscheinlich nicht alle Menschen ehrlich und Kriminalität gibt es auch, aber schlechte Erfahrungen haben wir keine gemacht. Ein Auto zu mieten ist gut möglich und ideal, um das Land kennenzulernen. Für den SUV haben wir rund CHF 75 pro Tag bezahlt.
Beste Grüsse Christine & Roland