Strahlendes Kapstadt
Überall sind Autos, es herrscht ein riesiges Chaos. Alles ging so schnell und wir sind dummerweise am Flughafen bei den Mietstationen sämtlicher Autoanbieter gelandet. Unsere Vermietstation liegt jedoch nicht beim Flughafen selber, sondern irgendwo um die Ecke. Es ist nicht ratsam, sich nur auf das GPS zu verlassen. Meistens fahren wir ansonsten ohne Navi, aber diesmal dachten wir, es sei sinnvoll. Und nun hat es uns fies in die Irre geleitet…
Wie kommen wir da nur wieder raus? „Folgt diesen Autos und biegt vorne rechts in die Ausfahrt ab“, rät uns der nervös winkende Angestellte. Gesagt getan. Die Ausfahrt führt unter einer Brücke durch. Das wäre grundsätzlich kein Problem, die Durchfahrt ist aber nur 2.5 Meter hoch – definitiv zu niedrig für unseren Campervan. Ach du liebe Scheisse – was nun? Hinter uns eine lange Kolonne, Gegenverkehr und die Strasse sowieso zu eng, um zu wenden. Aus dem Nichts taucht ein schwarzer Engel auf, regelt den Verkehr geschickt und drängt Roland stets, ein paar Meter rückwärts zu fahren. Da haben wir uns in eine ziemlich peinliche Situation manövriert… Endlich, bei der Abzweigung können wir wenden. Unser rettender Engel meint mit ernster Miene: „I did a very good job for you!“. Uns ist klar, dass er ein gutes Trinkgeld erwartet, und auch verdient hat.
Bei der Vermietstation werden wir bereits sehnlichst erwartet, denn bald ist Feierabend. Die Abgabe unseres Fahrzeuges gestaltet sich kurz und schmerzlos. Die beiden Angestellten scheinen sich nur wenig für den Zustand des Campervans zu interessieren. Sie bieten uns einen kostenlosen Transfer ins Zentrum von Kapstadt an. Eine Stunde nach unserem Eintreffen setzt uns der freundliche Mohammed trotz Verkehrsstau, bereits vor der Tür unseres Hotels ab. Da sind wir nun, in einer völlig anderen Welt als bisher…
Das kleine, historische Hotel Tudor versprüht noch Charme vergangener Zeiten. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl. Für einmal geniessen wir die Annehmlichkeiten eines Hotelzimmers sowie Frühstückbuffets. Beim ersten Morgenessen kommt es uns jedoch vor, als sei es der allererste Tag unserer Ferien… Die zentrale Lage unmittelbar
am Greenmarket Square ist ideal, um die Stadt zu erkunden. Den grossen Platz säumen elegante Gebäude. Es findet tagsaus tagein ein Markt mit afrikanischem Kunsthandwerk statt. Eine Handvoll Strassencafes lädt ein, ohne Verkehrslärm gemütlich zu sitzen und das Treiben des bunten Völkergemischs zu beobachten. Wir genehmigen uns eine leckere Pizza und verköstigen uns auch in den nächsten Tagen gerne mit Speisen, die in unserer Campingküche nicht zubereitet werden können.
Die pulsierende Metropole schmiegt sich an den berühmten Tafelberg und ist umrahmt von den Stränden des Atlantischen Ozeans. Die Sonne strahlt vom Himmel, der Tag verspricht ideales Wetter für eine Bergbesteigung. Unser Reisehandbuch mahnt zu einer guten Vorbereitung und wegen schlechter Wegbeschilderung besser einen Führer anzuheuern. Deshalb besorgen wir vorgängig eine Wanderkarte,
wagen uns aber allein an das Unterfangen. Auch gehen wir somit davon aus, fast alle Besucher gondeln mit der Seilbahn hoch und runter, aber weit gefehlt. Der Aufstieg durch die Platteklip Gorge, den angeblich sichersten Weg, gestaltet sich als reine Völkerwanderung – schlimmer als an einem schönen Sonntag im Alpstein! Touristen und Einheimische, Schwarze und Weisse, Sportler und Untrainierte – sie alle sind heute unterwegs.
Die Sonne brennt erbarmungslos auf uns nieder, es weht kaum ein Lüftchen. Der gut gekennzeichnete Weg zieht sich sehr steil die Schlucht hinauf und bringt mich ziemlich ausser Atem. Völlig nassgeschwitzt erreichen wir nach zweieinhalb Stunden das Plateau des flachen, über zwei Kilometer langen Massivs. Auf zahlreichen Pfaden lässt sich die grüne, buschige Welt dort oben erkunden. Wir
wandern zum Maiclear’s Beacon, dem mit 1086 Meter höchsten Punkt. Wow, die Aussicht auf die sich unten ausbreitende Stadt und die rundumliegenden Buchten ist fantastisch. Der Weg zurück entlang der Abbruchkante gewährt Blicke auf die steil abfallenden, schroffen Felswände. Wir gönnen unseren müden Gliedern eine Talfahrt mit der Gondel, die sich um ihre eigene Achse dreht.
Auch die nächsten Tage herrscht hochsommerliches Strahlewetter. Die historische Innenstadt lässt sich bequem zu Fuss erkunden, alte Kolonialhäuser stehen modernen Wolkenkratzern gegenüber. Der Company’s Garden ist eine herrliche Oase inmitten des Stadtzentrums. Früher wurde hier einst ein riesiger Gemüsegarten angelegt, um die vorbeifahrenden Schiffsmannschaften zu versorgen. Heute kann man im üppig grünen Garten friedlich spazieren. Wir legen uns ins weiche Gras und lassen den Nachmittag mit Lesen verstreichen.
Das Bo-Kaap-Viertel liegt in den Hügeln am Fusse des Signal Hills und wird von den Nachkommen malayischer Sklaven bewohnt. Die strenggläubigen Muslime
leben in bunt gestrichenen Häusern, die einen Kontrast zur unmittelbar angrenzenden Innenstadt bilden. Wir schlendern durch die kopfsteingepflasterten Gassen und finden Gefallen an den farbenfrohen Häuserzeilen. Würzige Curry-Düfte hängen verführerisch in der Luft…
Das pulsierende Vergnügungsviertel der Waterfront breitet sich entlang der ursprünglichen Hafenanlage aus. Glitzernde Shoppingmalls, Souvernirläden, zahlreiche Restaurants und Bars breiten sich hier aus, im Hintergrund ragt die majestätische Tafelbergkulisse empor. Von hier starten die Touren zur Robben Island, der ehemaligen Gefängnisinsel. Der Andrang ist immens. Wer vorab keine Reservation tätigt, kriegt vor Ort kaum ein Ticket. Ein Boot bringt uns in einer halben Stunde auf das flache, windige Eiland, das zwölf Kilometer nördlich der Tafelbucht vor der Küste liegt. Im Hafenareal tummeln sich ein paar Seehunde, auf der Fahrt zeigen Wale ihre Flossen.
Seit dem 17. Jahrhundert diente die Insel als Straflager, das im Jahre 1996 aufgelöst wurde. Ein paar Jahre später wurde ein Museum geschaffen und man kann heute die engen Zellen und die Steinbrüche, in denen die Häftlinge schwer schuften mussten, besichtigen. Der bekannteste Gefangene, Nelson Mandela, hat beinahe
20 Jahre seiner Haftstrafe hier abgesessen. Ehemalige Sträflinge führen durch das Gefängnis und erzählen von ihrer Leidenszeit. Das Englisch unseres Führers ist für uns leider schwer verständlich, so dass uns viele seiner Schilderungen entgehen. Dennoch ist der Besuch eindrücklich, wenn auch ein touristischer Massenauflauf.
Das Wetter in Kapstadt ist oft sehr wechselhaft und schwierig vorauszusagen. Der launische Tafelberg kann sich im Nu verhüllen, wenn der Wind die berühmte Tischdecke aus Wolken über dem Wahrzeichen schweben lässt, was heute der Fall ist. Wir besuchen den Kirstenbosch Botanical Garden, der südlich der Innenstadt an den Osthängen des Tafelbergs liegt. Am besten erreicht man den Botanischen Garten mit
dem roten „Hop on-Hop off“-Bus, der verschiedene Sehenswürdigkeiten ausserhalb der Innenstadt anpeilt. Der riesige Garten ist von vielen Wegen durchzogen und geht nahtlos in die wilde Bergflora über, die grosse Teile vom Tafelberg bedeckt, welcher auch von dieser Seite bestiegen werden kann. Die Zeit der grossen Blüte ist vorbei, viele Blumen sind leider verwelkt. Aber immerhin finden sich trotzdem vereinzelt blühende Proteen, Erikagewächse, Strelitzien und wie sie alle heissen.
Die Fahrt im Doppeldecker-Bus geht weiter. Wenige Stationen später nutzen wir die Gelegenheit, uns einer kurzen Walking-Tour durch das Township „Imizamo Yethu“ anzuschliessen. Unser Guide Patrick führt uns durch die belebten Strassen und Gassen. Die Menschen hausen in behelfsmässigen Bretterbuden, Wellblechhütten, aber auch einfachen Betonhäusern – Müll liegt unmittelbar vor den Haustüren. Uns fallen die verhältnismässig vielen Autos auf. „Einige Bewohner, die sich zwar kein besseres Haus leisten könnten, schaffen es immerhin, Geld für eine Schrottkarre aufzubringen“, erläutert Patrick etwas zögernd auf meine Nachfrage. „So können sie sich etwas Unabhängigkeit verschaffen, denn die öffentlichen Verkehrsmittel sind völlig unbefriedigend.“
Das besuchte Township ist mit 20’000 Einwohnern eher klein und vom Standard her bestimmt eines der besseren. Östlich der Vororte erstrecken sich riesige Elendsviertel, die aus allen Nähten platzen und von der Strasse zum Flughafen nicht zu übersehen sind. Im grössten Township lebt über eine Million Schwarze. Es mangelt an ausreichender Versorgung mit Elektrizität, Wasser, sanitären Einrichtungen sowie Abwasser- und Abfallbeseitigung. Einst wurden die „schwarzen“ Townships als Schlafstätte für die im „weissen“ Kapstadt benötigten Arbeitskräfte eingerichtet, auch wurden zu Zeiten der Apartheid Menschen vom Stadtzentrum verbannt und in weiter entfernte Gebiete umgesiedelt. Eine Trostlosigkeit, die uns zum Nachdenken anregt.
Der sonnige Morgen verspricht wieder einen strahlenden Tag. Bereits sind fünf Tage um – Zeit weiterzuziehen. Überpünktlich holt uns Mohammed ab und bringt uns zurück zur Vermietstation. Unser neues Fahrzeug, ein 4×4-Camper mit Dachzelt, steht bereit. Mohammed erklärt uns ausführlich alle Funktionen. Die Pneus machen keinen besonders guten Eindruck, das Profil ist schlecht. Auf unser Verlangen werden alle Reifen ausgetauscht. Natürlich sind auch diese nicht nigelnagelneu, aber immerhin etwas besser im Schuss. Der wirklich besorgte und hilfsbereite Mohammed steckt uns noch ein paar zusätzliche Ausrüstungsgegenstände zu und wir ihm ein kleines Trinkgeld. „Gute Fahrt“, winkt er uns, „geniesst eure Reise!“
Liebe Christine, lieber Roland
Es ist so schön bei Euch mitzureisen! Die Reiseberichte sind immer sehr spannend zu lesen und Eure Fotos sind im düsteren Nebel hier zu Hause so richtig „Balsam für die Seele“. Ich hoffe Ihr habt mit dem neuen Fahrzeug mehr Glück. Liebe Grüsse Adi & Ian
Liebe Adi, lieber Ian
Besten Dank für euren Kommentar – schön von euch zu hören. Es freut uns, wenn euch unsere Reiseberichte und Fotos gefallen. Leider ist der Blog zur Zeit nicht ganz aktuell, da in Namibia die Internetverbindung oft schlecht ist. Auch mit dem neuen Fahrzeug ist das Glück nicht ganz auf unserer Seite – gestern haben wir in Windhoek ein „neues“ erhalten und hoffen, nun funktioniert alles einwandfrei.
Frohe Weihnachten und liebe Grüsse
Christine & Roland
Hallo ihr beiden
wo steckt ihr wohl? scheinbar habt ihr nicht mehr so oft Wifi…. :-(
Wir sind retour aus Kuba. Es hat uns super gefallen und zum Glück hatten wir keine negativen Erlebnisse. Da ich so sehr vorgewarnt wurde, ging ich mit absolut keinen Vorstellungen und minimen Erwartungen nach Kuba. Wir erlebten Kuba damals im Jahre 2000 und jetzt. Man sieht schon grosse Änderungen, vor allem in den Touristenhochburgen wie Havanna, Trinidad usw.. Früher war es schwierig ein Restaurant oder Paladares zu finden und jetzt wimmelt es davon – wahnsinnig. Auch die vielen Casa Particulares ist ja extrem. Zudem wurde in Havanna Vieja ganz viel renoviert und es wimmelt von Touristengruppen. Daran muss man sich erst gewöhnen. Auf Cayo Santa Maria haben uns die Sandflies verstochen und mit dem Magen hatten wir alle unsere Probleme… trotzdem war es eine tolle Reise, die sich gelohnt hat. Jetzt bin ich wieder am Arbeiten und die nächsten Ferien sind in weiter Ferne…
Ich wünsche euch beiden ganz frohe Weihnachten und viel Glück auf eurer Weiterreise. Bin gespannt auf die nächsten Berichte….
Sali ihr zwei
Es ist sehr spannend ab und zu in euren Reiseberichten zu stöbern.
I wünschä eu no ganz schöni Wiähnachtä ond ä guäts Neus Johr.
Ruedi
Hallo Ruedi,
schön von dir zu hören und dass du ab und zu in den Blog schaust. Wir hoffen, dass es bald wieder Text mit Bildern geben wird, aber Software ist so eine Sache.
Hoffentlich läuft im Geschäft alles rund und hast über die Feiertage frei.
Wir wünschen dir und deiner ganzen Familie frohe Festtage und alles Gute fürs neue Jahr.
Roland und Christine
Liebe Heidi
Schön von dir zu lesen! Wir stecken seit zwei Wochen in Namibia, sind nun in Windhoek. Du liegst goldrichtig, mit Internet ist das so eine Sache hier – oft keine oder eine schlechte Verbindung. Deshalb ist unser Blog nicht so aktuell wie in Südafrika, wo dies meistens kein Problem war…
Es freut mich, dass euch Kuba gut gefallen hat und ihr keine schlechten Erfahrungen gemacht habt. Wenig Erwartungen sind natürlich immer gut, so kann man auch nicht gross enttäuscht werden!
Bei 35 Grad sind wir nicht richtig in Weihnachtsstimmung. Wir wünschen dir und Ralf angenehme Weihnachtstage und alles Gute für das neue Jahr.
Liebe Grüsse Christine & Roland