Strassenblockaden im Hluhluwe Game Reserve
Das Wetter zeigt sich heute Morgen immer noch unberechenbar, ein erneuter kurzer Wolkenbruch lässt nie lange auf sich warten. Es ist, wie wenn jemand einen Wasserhahn auf- und wieder zudrehen würde. Von Sodwana Bay fahren wir in Richtung Süden. Einmal mehr nerven uns die „liegenden Polizisten“ auf der Strecke. In der Nähe von Siedlungen oder bei Kreuzungen folgen auf lästige Querrillen mehrere hohe Bremsschwellen, die unsere Fahrt abrupt entschleunigen. Oft sind sie schlecht gekennzeichnet und kaum erkennbar. Eine ledigliche Herabsetzung der Geschwindigkeit scheint wohl zu wenig Wirkung zu zeigen…
Nach knapp zwei Stunden treffen wir im Hluhluwe-iMfolozi Game Reserve ein und sind dankbar, dass mittlerweile ein paar Sonnenstrahlen durch den noch leicht bedeckten Himmel dringen. Das Wildreservat besticht durch eine wunderschöne Landschaft mit sanft geschwungenen Hügeln und tiefen, weiten Tälern in einer Höhe von 650 Metern bis hinab zu 60 Metern. Die Vegetation der Täler besteht aus Wäldern und dichtem Gestrüpp, auf den Hügeln wächst vorwiegend Gras. Die breiten Flüsse sind jetzt in der Trockenzeit fast restlos ausgetrocknet, den Tieren bleibt nur wenig Wasser. Der Park ist bekannt für seine grosse Population von Nashörnern.
- Mama mit Baby
- Papa
Bereits in der ersten halben Stunde unserer Pirschfahrt sichten wir fünf Breitmaulnashörner – das seltenere Spitzmaulnashorn haben wir bis jetzt leider noch nie zu Gesicht bekommen.
Jöh, die kleine Giraffe ist noch ziemlich wackelig auf den Beinen und reicht seiner Mama gerade Mal bis zur Hüfte. Wir biegen um die nächste Kurve – oh Schreck, ein Nashorn überquert soeben unseren Fahrweg. Es fühlt sich wahrscheinlich ertappt und wirft uns einen bösen Blick zu. Roland fährt behutsam einige Meter rückwärts und lässt dem mächtigen grauen Koloss den Vortritt. Ist bestimmt
besser so. „Hast du die beiden Büffel hier rechts gesehen?“ Roland antwortet schmunzelnd: „Was heisst die beiden? Sieh da vorne, da sind ganz viele!“ Eine grosse Herde von Büffeln steht mitten auf der Strasse. Sie bewegen sich keinen Meter vom Fleck und blockieren die Fahrbahn. Ein Glück, dass es an einer Weggabelung ist und wir auf die andere Strasse, die zwar einen Umweg bedeutet, abzweigen können. Wer weiss, ob wir ansonsten den Park rechtzeitig verlassen könnten. Denn ist bereits spätnachmittags und das Tor macht um sechs Uhr dicht…
Die Nacht verbringen wir im nahegelegenen, gleichnamigen Ort Hluhluwe (sprich Schluschluwe), da es im Wildreservat leider keine Möglichkeit zum Campen gibt. Der Campingplatz der kleinen Bushbaby Lodge wirkt freundlich und gepflegt. Jeden Abend werden die dort beheimateten Bushbabys gefüttert. Die nachtaktiven Tiere sind etwa so gross wie ein Hase. Besonders auffallend sind die grossen Ohren, die kugelrunden Augen und der lange, buschige Schwanz. Die mitsamt der Schale in Scheiben geschnittenen Bananen scheinen den dickschwanzigen Nachtaffen zu munden. Erst lässt sich nur eines der putzigen Äffchen blicken, aber schon bald reissen sie sich zu dritt um die Leckerei. Die Schale lassen sie auf den Boden plumsen. „Wenn ich eine ganze Banane hinlege, rühren sie die Bushbabys nicht an“, erzählt uns die aufgestellte Afrikanerin. Ihre schwarzen langen Haare trägt sie in viele dünne Zöpfe geflochten, die von einem farbigen Kopftuch zusammengehalten werden. Der Name Bushbaby wird den nächtlichen Rufen, die sich wie das Geschrei eines Kleinkindes anhören, gerecht. Tagsüber verkriechen sie sich in ausgehöhlte Baumstämme oder verstecken sich unter dichtem Laub.
Um fünf Uhr in der Früh reisst uns der Wecker aus dem Schlaf. Draussen ist es bereits hell, der Tag ist längst angebrochen. Noch mit leerem Magen fahren wir erneut in das Hluhluwe-iMfolozi Game Reserve. Das Frühstück holen wir später an einem der Picknickplätze nach. Wir sind nicht die einzigen beim Eingangstor, denn die frühen, kühleren Morgenstunden sind für eine Pirsch gut geeignet. Erneut müssen wir ein Eintrittsticket erstehen. Leider war es gestern nicht möglich, bereits für beide Tage zu zahlen. Auch gilt es, ein weiteres Mal die vielen Fragen des höflichen Parkangestellten zu beantworten. „Name? Passnummer? Autonummer? Automarke? Farbe des Fahrzeugs? Telefonnummer?“ Unglaublich, was er alles wissen möchte. Alle Angaben tippt er sorgfältig in seinen Computer. Endlich ist die Bürokratie erledigt und das Gate wird für uns geöffnet.
Der Elefant ist riesig! Er steht direkt am Strassenrand. Wir halten einen gebührenden Sicherheitsabstand ein. Man darf den grauen Riesen nicht zu nahe kommen und ihnen auf keinen Fall den Weg abscheiden. Und welchen Weg sie einschlagen zu gedenken, ist meist nicht klar vorhersehbar. Nun quert das mächtige Tier erst die Fahrbahn, um kurz darauf mitten auf der Strasse seinen Weg fortzusetzen. Langsam rollen wir weiter, dem Elefant hinterher. Zum Glück haben wir alle Zeit der Welt, denn es dauert, bis der Bulle endlich die Strasse wieder frei gibt.
Die nächste Strassenblockade lässt nicht lange auf sich warten. Eine vierköpfige Giraffen-Familie stillt ihren Durst an der grossen Pfütze im Strassengraben. Um mit ihren langen Hälsen an das Wasser zu gelangen, spreizen sie akrobatisch ihre Vorderbeine – wie witzig das ausschaut. Unsere Safari ist überwältigend und das Panorama herrlich. Und die Tierwelt ist reizend – zumindest meistens. „Ich hoffe nur, es kommt uns kein Elefant direkt auf der Fahrbahn entgegen“, äussere ich mich etwas besorgt. Nur wenige Augenblicke später taucht hinter der Kurve ein mächtiger Elefantenbulle auf und trottet in grossen, schweren Schritten die Strasse hinunter, direkt uns entgegen. Wir stehen am Strassenrand, haben angehalten und die Aussicht bestaunt. W
as nun? „Dreh um, fahr zurück“, schlägt Roland schnell vor. Meine Hände ums Lenkrad gekrallt wende ich so schnell ich kann und wir kommen vor dem bedrohlich wirkenden Elefanten weg. Im Seitenspiegel können wir erkennen, wie lange er die Strasse in Beschlag nimmt, bevor er eine Ausfahrt in den Busch wählt. Noch eine Weile später zittern meine Beine und ich übergebe das Steuer an Roland.
Im Wildreservat seien alle der Big 5 vertreten. Nashorn, Büffel und Elefant können wir bestätigen, aber die beiden Raubkatzen Löwe und Leopard blieben uns verborgen. Nichts desto trotz, das Hluhluwe-iMfolozi Game Reserve ist einmalig und hat es uns von allen der bis jetzt besuchten Tierreservate am meisten angetan. Bye bye Widllife! Beim Ausgangstor bittet uns der Parkwächter um eine Fahrzeuginspektion, wirft einen Blick in unsere kleine, fahrbare Wohnung. „No Rhino – it’s ok“, stellt er mit einem Grinsen fest. Uns erstaunt es nicht mehr, dass wir auf Nashörner kontrolliert werden, das hatten wir ja schon…
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