Tosender Ozean im Tsitsikamma Nationalpark
Spätnachmittags treffen wir in Storms River Mouth, einem wildromantischen Küstenabschnitt im östlichen Teil des Tsitsikamma Nationalparkes ein. Dieses Naturschutzgebiet liegt an der berühmten Garden Route, einem grünen, bewaldeten Küstenstreifen, der nach Süden hin zur Felsküste oder zu Sandstränden abfällt. Dieser Landstrich ist 200 Kilometer lang und erstreckt sich von Storms River Mouth im Osten bis nach Mossel Bay im Westen.
Die Campingplätze des grossen Restcamps liegen auf einer gepflegten Rasenfläche direkt an der Küste und bieten besten Meerblick. Bei letzten Sonnenstrahlen geniessen wir noch einen ersten Blick auf die schroffe, tief zerfurchte Felsküste und die weiss schäumende Brandung. Bald aber zieht der dunkle Wolkenvorhang ganz zu und es giesst wie aus Kübeln. Schnell verziehen wir uns in unsere vier Wände und verharren dort bis am nächsten Morgen. In solchen Fällen erweist es sich als praktisch, die Küche, fliessendes Wasser und eine Toilette im Camper zu haben. Vor allem in den Nationalparks bei den wilden Tieren, wo man das Auto weder verlassen darf noch will, waren wir schon oft dankbar für das rettende Klo.
Neuer Tag – neues Wetterglück. Letzte Wolken verabschieden sich und die Sonne gibt Vollgas. Wir schlendern entlang der rauhen Klippenlandschaft, hinter uns ragt die bewaldete Steilküste in die Höhe. Auf den Klippen und den umliegenden Büschen der felsigen Küste lebt eine grosse Kolonie von Rock Dassies, sogenannte Klippschliefer.
Grundsätzlich sind es eher scheue Tiere, aber hier haben sie sich an die Menschen gewöhnt und wir können uns auf wenige Meter nähern. Die „Dassies“ sehen einem Murmeltier ähnlich, haben ein hamsterförmiges Gesicht und kleine Ohren. Sie haben keine gute Körpertemperaturregulierung, ähnlich wie Reptilien. Nach dem Aufwachen sind sie zunächst noch träge und wärmen sich in der Morgensonne auf den Felsen auf.
Storms River Mouth ist eine spektakuläre Flussmündung, über die eine schmale Hängebrücke führt. Von hier bietet sich ein Blick in die enge Schlucht mit den hoch aufragenden Felswänden. Unzählige Stufen führen durch den Wald hoch zu einem Aussichtspunkt. Dieses Morgenfitness bringt uns ausser Atem, aber der sensationelle Blick von oben entschädigt für die mühevollen Strapazen. Noch
fantastischer ist die Wanderung entlang der wilden, malerischen Küstenlandschaft zu einem Wasserbecken, in das sich ein Wasserfall ergiesst. Der Weg führt durch schattigen Wald, vorbei an leuchtend gelben Blumenfeldern. Auch einige Kletterpartien über die furchigen Klippen und grossen Felsbrocken sind inbegriffen. Ein wunderbarer Tag bei wunderbarem Wetter…
Es ist herrlich, morgens mit dem Tosen des Meeres aufzuwachen und an der wärmenden Sonne zu frühstücken. Die Kräfte des Ozeans sind immens. Die wuchtigen Wellen sind unberechenbar, riesige Wasserfontänen schiessen in die Höhe. Noch stundenlang könnten wir das eindrückliche Naturschauspiel bestaunen. Doch wir reissen uns los und schnüren erneut die Wanderschuhe… Der Tsitsikamma Forest sei der grösste zusammenhängende Urwald von Südafrika. Die Wege des Küstenwaldes sind gesäumt mit Farnen und Lianen. Baumgiganten der Spezies Yellowwood ragen bis zu 50 Meter in die Höhe. Diese mächtigen Urwaldriesen können 800 Jahre alt werden.
Mittlerweile ist es Mittag. Zu dieser Tageszeit wimmelt es hier von Menschen. In grossen Bussen werden viele Touristengruppen angekarrt und immer wieder hört man vertraute deutsche Klänge. Zeit für uns, weiterzuziehen. Es zieht uns nach Nature’s Valley, dem ruhigeren Teil vom Tsitsikamma Nationalpark, im Westen gelegen. Der gesamte geschützte Küstenabschnitt von Tsitsikamma ist rund 70 Kilometer lang. Eine Strasse direkt entlang der Küste gibt es nicht – beide Orte werden von der N2, der Hauptverkehrsachse, angefahren. Hingegen gibt es einen Wanderweg, der die beiden Orte verbindet. Der Otter-Trail dauert 5 Tage und es wird in Hütten übernachtet. Solche Mehrtageswanderungen gibt es viele in Südafrika und sie sind heiss begehrt. Der Otter-Trail müsse ein Jahr im voraus reserviert werden.
Nature’s Valley liegt an einer seenartigen Mündung des Groot Rivers, umgeben von grünen, dicht bewaldeten Hügeln und tiefen Tälern – der sanftere Abschnitt von Tsitsikamma. Die Lagune wird von einem drei Kilometer langen, breiten Sandstrand gesäumt. Das Restcamp liegt idyllisch an einer Waldlichtung am Wasser, viele Stellplätze sind ganz im Wald versteckt. Wir gönnen unseren müden Knochen eine Pause, legen uns in die weiche Wiese und verbringen den sonnigen Nachmittag mit Lesen und Faulenzen…
„Was war das denn“, frage ich Roland verunsichert. Frühmorgens, wir liegen noch im Bett und lauschen. Kurz darauf poltert es erneut auf dem Dach unseres Campervans. Vorsichtig gucken wir hinaus und erblicken gerade noch einen Pavian, der sich über die Windschutzscheibe schwingt und abhaut. Draussen hat der freche Kerl unseren Abfalleimer auf den Kopf gestellt und der Müll liegt nun verstreut im Gras. Diese Affen sind ständig hinter Essbarem her und kennen oft keine Scheu. Paviane gelten als schlau und intelligent, auch sind sie äusserst geschickt. Warnschilder weisen auf das Affenproblem hin und drohen bei Fütterung der Tiere mit hohen Bussen.
Verregnet stehen wir am Aussichtspunkt. Verregnet das Wetter, verhangen die Sicht. Wir blicken auf die Lagune, den Strand und das bewaldete Hügelland. Aber alles präsentiert sich grau in grau. Deshalb gibt es von diesem Ausblick auch kein einziges Bild… Der Kalanderkloof Trail, ein sechs Kilometer langer Rundweg, führte uns durch den Wald entlang einer tief eingeschnittenen, steinigen Schlucht steil auf eine Anhöhe. Da stehen wir nun und sehen enttäuscht vom weiterführenden Wanderweg runter an die Küste zum Sandstrand ab. Das Wetter beruhigt sich heute leider nicht mehr und wir verbringen den Rest des Tages in der trockenen Stube.
Nature’s Valley zeigt sich auch am letzten Tag von einer eher unfreundlichen Seite. Bevor wir aber weiterziehen, statten wir dem breiten weissen Strand trotzdem noch einen Kurzbesuch ab. Die grüne Garden Route zieht sich noch weitere 150 Kilometer entlang der Küste dahin. Wir passieren mehrere beliebte lebhafte Ferienorte wie Plettenberg Bay und Knysna, ehe die N2 bei Mossel Bay landeinwärts schwenkt. Wir düsen noch rund 200 Kilometer weiter bis Swellendam und sind dann nur noch ebenso weit von Kapstadt entfernt…
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