Ubud – inmitten Reisfeldern
Reishalme und Lotusblüten, Tempel und Paläste, einladende Cafés und variantenreiche Küche, Künstler und Gemälde, vegetarisch und vegan, stilvolle Hotels und Oasen, hektisch und beschaulich, Yoga und Spiritualität, biologisch und gesund, traditionelle Tänze und meditative Musik, schnuckelige Läden und Galerien, Massage und Wellness, bunte Opfergaben und Räucherstäbchen, Verkehrslärm und Idylle – all das ist Ubud!
Im kulturellen Herzen Balis gibt es Hunderte Hotels, Bungalowanlagen und Homestays, im Ort selber und weit verstreut in den umliegenden Reisfeldern. Wir wählen die goldene Mitte und steuern eine Unterkunft im südlichen Zentrum, und doch inmitten von Reisfeldern an. Nebst den für uns unerschwinglichen luxuriösen Zimmern ist nur noch das Turmzimmer frei, das wir uns gerne zeigen lassen. Eine
Wendeltreppe führt aussen am Turm in die Höhe, wo zuoberst ein kleines rundes Zimmer thront, von wo sich ein fantastischer Blick über die ringsum liegenden Reisfelder und die grüne Gegend bietet – wow! Gerne nisten wir uns in diesem einmaligen Daheim ein, öffnen alle Fenster, damit uns eine angenehme Brise umweht. Wir freuen uns auf ein paar erholsame Tage in Ubud. Ein erster erholsamer Nachmittag lassen wir auf einer Liege am idyllischen Swimming Pool verstreichen, kühlen uns zwischendurch im erfrischenden Nass und sind rundum glücklich.
Nur wenige Schritte trennen uns von Ubuds Gaumenfreuden. An der Strasse reiht sich ein ansprechendes Lokal ans nächste. Wo wir in anderen Orten auf der Welt kaum ein einladendes Restaurant fanden, können wir uns hier kaum entscheiden. Die Auswahl ist immens, man kann sich fein durch verschiedenste Küchen schlemmen. Immer mehr bieten vegetarische und vegane Gerichte an, fruchtige Gesundheitscocktails und Kräutergetränke, legen Wert auf Bio-Gemüse aus der Umgebung. Manche verzichten auf chemische Zusatzstoffe und deklarieren dies schwarz auf weiss in ihrer Speisekarte… Ubud hat sich nebst dem Zentrum der Künste auch zum Zentrum ökologischer, naturverträglicher Lebensweisen entwickelt. Wellness und Gesundheit wird grossgeschrieben, es gibt jede Menge an balinesischen Spas, wo man sich mit Massagen verwöhnen lassen kann. Die Insel Bali besitze die höchste Spa-Dichte weltweit…
Dieser Verkehr, unglaublich. Die Strassen sind verstopft. Motorräder sind klar in der Überzahl, nehmen die ganze Fahrspur, manchmal sogar auch die Gegenfahrbahn ein. Von unserem Fahrer wird höchste Konzentration abverlangt. Wir merken nicht, wo Ubud aufgehört. Der Süden von Bali ist sehr verbaut, ein Ort geht in den anderen über. Auf und an den Strassen geht es hektisch zu und her. Wir sind auf dem Weg zu Doris, einer Cousine von Roland, die schon seit sechs Jahren auf Bali lebt. Wir besuchen sie in ihrem Haus in Kerobokan, südwestlich von Ubud und westlich der Hauptstadt Denpasar gelegen. Nach einer guten Stunde erreichen wir das Ziel – mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hätte die Anfahrt rund dreimal so lange gedauert. Wir biegen in eine schmale Seitenstrasse ein. Abseits vom Geschehen landen wir in einer beschaulichen Oase. Im wunderschönen Garten von Doris verbringen wir einen angenehmen Abend zu viert – Brigitte aus der Schweiz weilt noch zu Besuch. Und wir dürfen ein Paket aus der Schweiz in Empfang nehmen. Die neue Tastatur fürs iPad hat die lange Reise zum Glück wohlbehalten überstanden – yuppeeh, ich kann wieder bequemer tippen. Die Abendstunden verfliegen rasant, unser Fahrer wartet bestimmt bereits sehnsüchtig, bis er uns nach Hause zurückchauffieren darf…
Heute erkunden wir den Künstlerort Ubud, der im Landesinneren auf rund 200 Metern liegt. Wir sind gespannt, was uns erwartet. Zwar sind wir nicht das erste Mal hier, doch wir
vermuten, dass sich zwischenzeitlich einiges verändert hat. Rolands erster Besuch liegt bereits über zwanzig und meiner genau zehn Jahre zurück. Damals plante ich, ein paar Tage zu bleiben, doch schlussendlich hielt mich Ubuds Charme über eine Woche fest… Die kleine Stadt versprüht zwar immer noch Charme, doch alles hat zugenommen – Touristen, Verkehr, Lärm, Reiseagenturen und Speiselokale. Überall parkieren massenhaft Motorräder. Der Markt mit Kunsthandwerk und Souvenirs ist stark angewachsen, die riesige Auswahl erdrückt uns. Zu den kleinen Galerien und schnuckeligen Läden mit stilvollem Angebot sind mittlerweile
einen Haufen Shops mit billigem Schrott dazugekommen, nebst herzigen Cafés und Lokalen finden sich moderne klimatisierte Restaurants. Doch schon damals wurden wir nicht mit einem Hallo begrüsst, sondern mit “Taxi?” An jeder Ecke lauern Fahrer auf eine Beute, heute halten uns die meisten zusätzlich ein entsprechendes Schild “Transport” vor die Nase. Meistens spazieren wir ohne zu Antworten weiter, denn auf jedes Angebot persönlich einzugehen, wäre zu anstrengend. Rolands zündende Idee, mit einem Schild “No” durch die Strassen zu gehen, finde ich ganz gelungen. Doch wir lassen es dann bleiben… Auch die balinesischen Damen der Massagesalons wittern ihr Geschäft. “Massas, massas – jaaa!”, rufen sie uns lächelnd zu. Doch nassgeschwitzt wie wir sind, möchten wir uns den Massagefrauen nicht zumuten und uns unter ihre knetenden Hände legen.
Tempel und Schreine sind in Ubud, wie in ganz Bali allgegenwärtig – auf der gesamten Insel gebe es über 10’000, in verschiedenen Grössen und Arten. Dabei ist das Eiland klein und nur gerade so gross wie der Kanton Bern, zählt hingegen rund vier Millionen Einwohner. Bali wird oft als Insel der Götter bezeichnet, denn die Religion spielt im Leben der Einwohner eine grosse Rolle. Neunzig Prozent der Balinesen bekennen sich zum Hinduismus, welcher beinahe jeden Bereich des Lebens
beeinflusst. Opfergaben, um den Göttern zu huldigen und Dämonen zu besänftigen, gehören zu jedem Tagesablauf fest dazu. Meist sind es aus Palmblättern geflochtene kleine Körbchen, die verschiedene Inhalte wie Blumenblüten, Reis, Salz oder Bonbons enthalten. Sie stehen nicht nur vor Tempeln oder in Schreinen, sondern stechen uns auch mitten auf Gehsteigen, Mauern, vor Läden oder in Restaurants ins Auge. Jede Gabe ist ein kleines farbenfrohes Kunstwerk, in dem stets ein wohlduftendes Räucherstäbchen steckt. Oft können wir die Menschen bei ihren täglichen Opferritualen beobachten…
Wir bewundern verschiedene magische Tempel und Paläste – in manchen finden abends traditionelle Tanzvorführungen statt. Im reich verzierten Ubud Palace aus dem 19. Jahrhundert, einem Komplex mit kleinen Palästen, Innenhöfen und pagodenartigen Torhäusern residiert die königliche Familie von Ubud. Während unseres Besuches probt ein Männer-Ensemble, das als Begleitung zu den hypnotisierenden Tänzen auftritt. Gebannt lauschen wir der indonesischen Gamelan-Musik, welche Klänge von Gongs, Xylophonen, Trommeln und Flöten vereint.
Im lauten, geschäftigen Zentrum von Ubud rings um den Markt erscheint es kaum vorstellbar, dass man in wenigen Minuten abseits der Hektik im Grünen bummeln kann. Belebte Gassen enden an Reisfeldern, wo wir entlang schmaler Bewässerungskanäle spazieren. Bauern arbeiten in den Feldern, Enten auf Futtersuche watscheln über die Dämme
der Reisterrassen. Die intensiv grünen Reishalme geben ein sagenhaftes Bild ab. Wir geniessen den friedlichen Bummel in ländlicher Ruhe, auch wenn wir die Wege ab und zu mit einem knatternden Roller teilen müssen. Die Motorradfahrer kann man fast nirgendwo ganz abschütteln, lediglich von Treppenstufen halten sie sich fern. Immer wieder passieren wir eine Galerie mit bunten Gemälden oder andere Künstlerwerkstätten. Auch liegt hin und
wieder ein kleines Lokal verführerisch am Wegesrand. Inmitten Reisterrassen schlürfen wir einen gesunden Fruchtsaft, erfrischen uns von unseren schweisstreibenden Streifzügen. Auch wenn die Sonne nicht ständig strahlt, eine feucht fröhliche Hitze umgibt uns stets. Der dumpfe Klang der Windspiele aus Bambus wirkt beruhigend, aus den Boxen berieselt uns meditative balinesische Musik…
Auch wenn es in Ubud mittlerweile sehr touristisch zu und her geht und sich in den vergangenen Jahren einiges verändert hat, gefällt uns der malerisch in Reisfeldern gelegene Ort nach wie vor, auch wenn er nicht mehr denselben Reiz wie bei unserem ersten Besuch auf uns ausübt.
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