Über die Pässe nach Windhoek
Ein paar Häuser an einer Strassenkreuzung mitten im Nichts – das ist Solitaire. Der Ort ist bekannt, vor allem dem hochgelobten Apfelkuchen der Bäckerei wegen. Auch ein „grosser“ Laden – mit kleinem Angebot – und ein paar Zapfsäulen sind vorhanden. Unser Fahrzeug verfügt zwar war über einen Doppel-Tank, der total 140 Liter fasst, aber in Namibia gilt es, jede Tankgelegenheit zu nutzen. Bei Bedarf wird auch die Frontscheibe geschrubbt sowie Öl- und Wasserstand kontrolliert – dieser Service ist kostenlos. Dankend stecke ich dem jungen schwarzen Burschen dafür ein Trinkgeld zu. „Danke Mami“, freut er sich. Es ist nicht unüblich, hier mit Familienbezeichnungen angesprochen zu werden. Schwester verwenden sie für jüngere Frauen, Mutter für nicht mehr ganz junge Frauen – nur einmal ging ich als Schwester durch…
Nach einer Pause mit Milchkaffee und einem lauwarmen, leckeren Stück Apfelkuchen setzen wir unsere Fahrt im aufgehitzen Auto fort. Die Temperaturen steigen in dieser wüstenhaften Region im Verlaufe des Tages jeweils fast auf 40 Grad an. Oft bin ich einfach platt, mag mich kaum bewegen. Vorbei an Bergen, Sanddünen und trockenem Grasland fahren wir in Richtung Norden. Verhältnismässig herrscht viel Verkehr – Weihnachtsverkehr? Die stets vorbeibrausenden Autos und gewagten Überholmanöver lassen uns in lästige Staubwolken hüllen. Kurz vor dem Gaub Canyon nehmen wir Kurs auf Rostock.
Weit entfernt erblicken wir Bergzebras. Beim genaueren Hinschauen entdecken wir immer noch mehr der gestreiften Gesellen. Leider gönnen sie uns keinen Anblick aus nächster Nähe. Sobald wir uns nähern, vergrössern sie den Sicherheitsabstand. Mitten in dieser trockenen, sanft gelben Ebene liegt der
Campingplatz am Fusse der bizarren Rostock-Berge. Mit voranschreitendem Nachmittag wird die Hitze langsam etwas erträglicher. Die untergehende Sonne färbt den Himmel in warme Farbtöne – von gelb über orange, von rot bis rosa. Die wundervolle Abendstimmung und der milde Sommerabend entschädigen für die sengende Hitze tagsüber…
Die Rostock-Berge erreichen eine Höhe von rund 1400 Meter. Eine grosse Auswahl an gekennzeichneten, ausführlich beschriebenen Wanderwegen steht uns zur Verfügung. Über teils spitzes Schiefer- und Quarzgestein erreichen wir verschiedene Aussichtspunkte. Eine
Ebene mit roten Sanddünen umrahmt von Gebirgszügen breitet sich grosszügig vor uns aus. In der Ferne lässt sich die Silhouette des markanten Gamsberges mit seinem flachen Sandsteinrücken ausmachen. Der dritthöchste Berg von Namibia misst 2347 Meter.
Die Weiterfahrt bringt uns über den gleichnamigen Pass. Die steinige Strasse windet sich in Steilen Kehren immer weiter in die Gebirgslandschaft hinein, bis wir auf die Passhöhe auf rund 1800 Meter gelangen. Das Landschaftsbild hat sich verändert, saftiges Grün leuchtet uns entgegen. Spätnachmittags, hinter dem Gamsberg Pass, bietet sich eine Gästefarm für einen nächtlichen Zwischenstopp an.
In nordwestlicher Richtung gelangen wir landeinwärts, weiter hinauf ins Hochland. Weite Kurven bringen uns über den knapp 2100 Meter hohen Kupferberg Pass. Danach ist die Strasse asphaltiert, was uns nach über einer Woche Fahrt auf Schotterpisten richtig komisch vorkommt. Nun ist Windhoek nur noch einen Katzensprung entfernt…
In der Mitte des Landes liegt die Hauptstadt Namibias in einem Tal auf 1650 Meter. Windhoek und Umgebung zählt um die 350’000 Menschen, aber so genau wisse das keiner. Somit ist die Stadt eher klein und wird von den Einheimischen liebevoll als Dorf bezeichnet. Das Unterhaltungsangebot entspricht auch dem eines Dorfes auf dem Lande. Verkehrsstaus gibt es kaum, die Geschäfte schliessen bereits um 17 Uhr, dann kehrt Stille ein.
Die Stadt ist weder besonders attraktiv noch bietet sie aufregende Sehenswürdigkeiten, unser Motiv für den Besuch entspringt anderen Tatsachen und war keineswegs langfristig geplant. Aber unsere frischen Lebensmittelvorräte schwinden, der angehäufte Wäscheberg wird stets grösser und unser Blog konnte mangels Internet lange nicht gefüttert werden. Der finale Ausschlag gab jedoch unser Camper, der leicht kränkelt. Da es auch in Windhoek eine Station unseres Vermieters gibt, packen wir die Gelegenheit. Wir quartieren uns auf halber Strecke zwischen Stadt und Flughafen auf einem Campingplatz im Grünen ein, eine ideale Ausgangslage, um unsere Pendenzenliste abzuarbeiten.
„Bei langsamem Fahren hören wir oft ein Quitschen, die Handbremse zieht nicht richtig und diverse Schutzbleche sind lose und klappern“, klagt Roland bei der Vermietstation. Der freundliche Christian nimmt sich eifrig unserer Probleme an. „Das Quitschen wird weiter nichts bedeuten und etwas Scheppern ist auch normal. Die Handbremse müsst ihr mit ganz viel Kraft anziehen“, rät er uns besänftigend. „Noch sieben Wochen sind wir mit diesem Fahrzeug unterwegs!“, mache ich ihm unmissverständlich klar. Damit hat er wohl nicht gerechnet und schlägt umgehend vor, das Fahrzeug von unten genau unter die Lupe zu nehmen. Eine gefühlte Ewigkeit später tönt es schon ganz anders: „So können wir euch unmöglich weiterziehen lassen“. Es stellte sich heraus, dass das Quitschen von einem defekten Bremsteil am Hinterrad herkommt. Bei der gründlichen Inspektion kamen angeblich noch weitere Mängel ans Tageslicht… Ups, damit haben wir nun doch nicht gerechnet. Uns kann es ja recht sein, wenn sie uns den schwerkranken Camper gegen ein viel jüngeres, hoffentlich gesundes Modell eintauschen.
So kreuzen wir am nächsten Morgen erneut am Flughafen beim Campervermieter auf. Unser „neues“ Auto steht fast übernahmebereit. Der Kühlschrank muss noch eingebaut und – auf unser Verlangen – die ziemlich abgefahrenen Pneus ausgewechselt werden. Das Zügeln des Hausrates nimmt sowieso Zeit in Anspruch und da der Innenausbau nicht ganz identisch ist, umso mehr. Mit einem Händedruck verabschieden wir uns von Christian. Wir sind dankbar, hat sich der sympathische Schwarze bestens und schnell um uns gekümmert und hoffen, nun sicher auf Fahrt zu sein.
Vertieft in unseren Grosseinkauf, lachen uns im Supermarkt zwei bekannte Schweizer-Gesichter entgegen. Pia und Felix haben wir im Juni im Geländefahrkurs kennengelernt. Wir wussten zwar, dass die beiden gestern in Windhoek gelandet sind, aber die jetzige Begegnung ist purer Zufall. Abgemacht war, sie ein paar Tage später im Erongo-Gebirge zu treffen, um das Schmieden der gemeinsamen Reisepläne zu vertiefen. Voraussichtlich werden wir für eine gewisse Zeit zusammen – mit zwei Fahrzeugen – unterwegs sein, um entlegene Gebiete im Norden zu bereisen.
Weihnachten steht bevor, aber bei uns stellt sich bei den hochsommerlichen Temperaturen keine richtige Weihnachtsstimmung ein. Wir hatten es auch nicht auf Christmas-Shopping abgesehen, aber nun bleibt uns nichts anderes übrig. Roland hat seine Fotokamera vor ein paar Tagen in der Dünenlandschaft wohl buchstäblich in den Sand gesetzt. Das vom Wind versandete Objektiv funktioniert nun nicht mehr einwandfrei. Deshalb stürzen wir uns ins weihnachtliche Getümmel. Im üppig dekorierten Einkaufszentrum schallen Weihnachtslieder in voller Lautstärke aus den Boxen. Nach dem erfolglosen Abklappern diverser Läden und reiflichen Überlegungen finden wir für meinen leidenschaftlichen Fotografen dann endlich das passende Weihnachtsgeschenk… eine nigelnagelneue Spiegelreflexkamera. Es ist nicht Roland’s Traummodell, aber das Beste, was der namibische Markt hergab.
„Das darf doch nicht wahr sein“, ruft Roland entsetzt beim Überqueren des Parkplatzes. Am Vorderrad unseres Campers klemmt eine Radkralle und verhindert uns das Wegfahren. Mist, das hat uns gerade noch gefehlt… Der Polizist redet uns arg ins Gewissen und erläutert: „Das Überschreiten der maximalen Parkzeit von einer Stunde kostet 300 namibische Dollar“. Mit einer Unschuldsmiene entschuldigen wir uns. Der Beamte erlässt uns, ohne darum zu bitten, die Hälfte der Busse. Bevor er es sich anders überlegt, strecken wir ihm sofort 150 südafrikanische Rand hin, was etwa zehn Franken entspricht. Der Wert der beiden Währungen ist identisch und praktischerweise kann in Namibia mit Rand bezahlt werden – umgekehrt ist es nicht möglich.
Diese Tage sind nicht ganz einfach – unsere Pendenzenliste wird stets noch länger. Kopfzerbrechen bereitet uns seit vorgestern plötzlich auch unsere Website, wo das Gestalten des Reiseblogs nicht mehr klappt. Das Editieren und somit Einfügen der Fotos funktioniert nicht mehr – warum auch immer. Wir verlängern unseren Aufenthalt auf dem Campingplatz bereits zum dritten Mal um einen weiteren Tag, um auch dieses Problem hoffentlich noch in den Griff zu kriegen. Roland probiert und recherchiert seit zwei Tagen, bis nach einigen Rückschlägen glücklicherweise heute die Lösung in Sicht ist. Wir sind erleichtert und nutzen den restlichen Tag, den Blog noch soweit wie möglich zu aktualisieren. Zwischendurch gönnen wir uns eine Pause und kühlen uns im kalten Nass des Swimming Pools.
Die letzten Abende haben wir uns von den fantasiereichen Köstlichkeiten des Restaurants verwöhnen lassen. Heute, am Heiligabend, braten wir uns auf dem Grill ein saftiges Stück Fleisch mit Gemüse – ein Weihnachtsbraai sozusagen. Kaum ist der Festschmaus serviert, fängt es prompt zu regnen an. Unter dem vorstehenden Dachzelt finden wir etwas Schutz und lassen uns den Appetit nicht verderben. Später, bei Camping-Kerzenlicht und einem Glas Rotwein, feiern wir Weihnachten im engsten Kreis…
This is awesome you guys are so good to show all the pictures!!!
Hi Cowboy,
It’s good you like the pictures, but the writting is great as well. Translate it to English or Swedish, whatever you want.
Take care,
Roland